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\setcounter{tocdepth}1 \hbadness 9999

\begin{document}

\begin{center}
  \textbf{\Large Übungen zur Wahrscheinlichkeitstheorie}\par
  \textbf{\large Aufgaben und Lösungen}\\
  1. Übungsblatt
\end{center}

\begin{enumerate}
\item In einer Urne befinden sich 30 Kugeln, die sich nur in ihrer Farbe unterscheiden. Zehn von ihnen sind
schwarz, zwanzig rot. Berechne die Wahrscheinlichkeit, bei 6 Ziehungen von je 6 Kugeln der Reihe nach
0,1,2,3,4,5 rote Kugeln zu ziehen, wenn die gezogenen Kugeln jedesmal wieder in die Urne zur\"uckgelegt werden.
Bereche auch den Erwartungswert und die Varianz der Anzahl der gezogenen roten Kugeln.

\textbf{Lösung:}\\
\begin{itemize}

\item Es bezeichne $X$ die Anzahl der roten Kugeln bei 6 Ziehungen. Damit ist   $X$ binomialverteilt
$X \sim Bin(n, p)$ mit $n=6$ und $p=2/3$. Daraus ergibt sich
 $$ P(X=k)= {6 \choose k} \cdot (2/3)^k \cdot (1/3)^{6-k}.$$
\item Für den Erwartungwert resultiert $$ \erw(X) = np = 6\frac{2}{3}=4.$$
\item Für die Varianz gilt $$\mathbf{Var}(X)=np(1-p)=\frac{4}{3}.$$
\item Nun bezeichen wir die Anzahl der roten Kugeln in der $i$-ten 6er Ziehung mit $X_i$. Dann gilt
auf Grund der Unabhängigkeit von $X_i,X_j$ für $i \neq j$:
$$P(X_1 =0,X_2=1,X_3=2,X_4=3,X_5=4,X_6=5) = \prod_{i=1}^6 P(X_i=i-1)= \prod_{i=0}^5b_6(i) \approx 3,53 \cdot 10^{-8}.$$
\end{itemize}

\item Es sei $f$ eine durch
$$ f(x) = \left\{
\begin{array}{ll}
  \alpha x^2 (1-x) &0 \leq x \leq 1 \\
  0 & \textrm{sonst}
\end{array}
\right.$$ gegebene Funktion. Man bestimme $\alpha$ so, dass $f$ Dichtefunktion einer
stetigen Zufallsvariablen $X$ ist und ermittle die Verteilungsfunktion $F_X$ sowie den
Erwartungswert $\erw[X]$.

\textbf{Lösung:}\\
Damit $f$ eine Dichtefunktion ist, muss $$\int_{-\infty}^{\infty} f(x) \de\!x = 1$$
gelten. In unserem Fall bedeutet das

$$ \int_0^1 \alpha x^2 (1-x) \de\!x =\left. \left( \frac{\alpha x^3}{3} - \frac{\alpha
x^4}{4} \right)\right|_0^1 = \frac{\alpha}{12}.$$ Damit dies gleich 1 ist, muss $\alpha
= 12$ sein.

Für die Verteilungsfunktion erhalten wir
$$ \int_{-\infty}^x f(t) \de\! t = \int_0^x 12
t^2 (1-t) \de\! t = \left.(4t^3 - 3t^4) \right|_0^x = 4x^3 - 3x^4,$$

und damit gilt $$ F_X(x) = \left\{
\begin{array}{ll}
  0 & x \leq 0 \\
  4x^3 - 3x^4 & 0 < x \leq 1 \\
  1 & x > 1
\end{array}
\right. $$

Schließlich ergibt sich für den Erwartungswert
$$ \erw[X] = \int_{-\infty}^{\infty} x f(x) \de\!x = \int_0^1 12x^3(1-x) \de\!x =
\left. \left( 3x^4 - \frac{12}{5}x^5\right) \right|_0^1 = \frac{3}{5}.$$







\item Man berechne approximativ die Wahrscheinlichkeit, dass bei 12000 unabhängigen Würfen
mit einem fairen Würfel die Anzahl der 6er im Intervall [1900, 2150] liegt.

\textbf{Lösung:}\\
Bei großen Werten wird die Binomialverteilung durch die Normalverteilung approximiert.
Dazu folgende Festlegung: $n = 12000, p = \frac{1}{6}, q = 1- p = \frac{5}{6}, a
=1900, b = 2150$. Mit den Approximationsformeln erhalten wir
\begin{align*}
  \alpha &= \frac{a -np -0.5}{\sqrt{npq}} = -2.4617, \\
  \beta &= \frac{b - np + 0.5}{\sqrt{npq}} = 3.6864.
\end{align*}

Nun folgt mit Hilfe der Zahlenwerte der Standardnormalverteilung $$ P(a \leq X \leq b)
= \Phi(\beta) - \Phi(\alpha) = 0.9998-(1-0.9931)=0.9929.$$







\item Es sei bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit in Mathematik eine 5 zu bekommen,
gleich $P(M=5)=0.5$ ist. Andererseits liegt die Wahrscheinlichkeit in Latein eine 5 zu
erhalten bei $P(L=5)=0.4$. Die Wahrscheinlichkeit, in beiden Fächern negativ zu sein,
ist $P(M=5,L=5)=0.1$. Wie groß beträgt die Wahrscheinlichkeit, in Mathematik eine 5 zu
bekommen, wenn man in Latein schon eine 5 erhalten hat? Und umgekehrt?

\textbf{Lösung:}\\
Die bedingte Wahrscheinlichkeit $$P(A|B)=\frac{P(A\cap B)}{P(B)}$$ ist die
Wahrscheinlichkeit von Ereignis $A$, wenn bekannt ist, dass Ereignis $B$ eingetreten
ist. Im Kontext der Aufgabe sei $$A=\text{``5er in Mathematik erhalten''}$$ und
$$B=\text{``5er in Latein erhalten''}.$$ Gesucht sind demnach die Wahrscheinlichkeiten
$P(A|B)$ und $P(B|A)$. Diese lassen sich bestimmen zu $$P(A|B)=\frac{P(A\cap B)}{P(B)}=
\frac{P(M=5,L=5)}{P(L=5)}=\frac{0.1}{0.4}=0.25$$ und $$P(B|A)=\frac{P(A\cap B)}{P(A)}=
\frac{P(M=5,L=5)}{P(M=5)}=\frac{0.1}{0.5}=0.2.$$









\item Für welches $k$ definiert die Funktion $P(X=i)=\frac{k}{N}$ für $i=1,2,\dots,N$
eine Dichte einer diskreten Zufallsvariablen X? Geben Sie den Erwartungswert von $X$
an.

\textbf{Lösung:}\\
Es muss gelten, dass $$\sum_{i=1}^{N}P(X=i)=1.$$ Es ist
$$\sum_{i=1}^{N}P(X=i)=\sum_{i=1}^{N}\frac{k}{N}=N\cdot \frac{k}{N}=k=1.$$ Daraus
folgt, dass $k=1$ sein muss. Der Erwartungswert von $X$ berechnet sich aus
 $$\erw[X]=\sum_{i=1}^{N}i P(X=i)=\sum_{i=1}^{N}i \frac{1}{N}=
 \frac{1}{N}\sum_{i=1}^{N}i=\frac{1}{N}\cdot \frac{1}{2}N(N+1)=\frac{1}{2}(N+1).$$



\item Eine stetige Zufallsvariable $X$ habe die Verteilungsfunktion
$$F_X(x)=
\begin{cases}
  0 & {x<0} \\
  \frac{2}{3}x^3 & {0\leq x\leq 1} \\
  x-\frac{1}{3} & {1\leq x<c} \\
  1 & {c\leq x}
\end{cases}$$

\begin{enumerate}
  \item Wie groß muss $c$ sein?
  \item Berechnen Sie den Erwartungswert $\erw[X]$.
  \item Geben Sie die Wahrscheinlichkeit $P_X(\frac{1}{4}<X\leq \frac{5}{4})$ und
  $P_X(X=1)$ an.
\end{enumerate}

\textbf{Lösung:}
\begin{enumerate}
  \item Da $X$ eine stetige Zufallsvariable ist, muss die zugehörige
  Verteilungsfunktion $F_X(x)$ ebenfalls stetig sein. Der kritische Punkt ist hier
  $x=c$. Dort muss gelten, dass der linksseitige gleich dem rechtsseitigen Grenzwert
  ist, d.h.
  $$x=c:\qquad x-\frac{1}{3}=1.$$
  Damit folgt $c=\frac{4}{3}$.

  \item Der Erwartungswert lässt sich über folgenden Ausdruck berechnen:
  $$\mathbb{E[X]}=\int_{-\infty}^{\infty}x f(x)\de\!x,$$
  wobei $f(x)$, die Dichte von $X$, aus $f(x)=F'(x)$ berechnet werden kann. Dann ist
  $$\mathbb{E[X]}=\int_{-\infty}^{0}0\de\!x+\int_{0}^{1}2x^3\de\!x+
  \int_{1}^{\frac{4}{3}}x\de\!x+\int_{\frac{4}{3}}^{\infty}0\de\!x=
  \left.\frac{x^4}{2}\right|^1_0+\left.\frac{x^2}{2}\right|^{4/3}_1=\frac{1}{2}+\frac{8}{9}-\frac{1}{2}=\frac{8}{9}.$$

  \item Die gesuchten Wahrscheinlichkeiten lassen sich über die Verteilungsfunktion
  berechnen:
  $$P_X\left(\frac{1}{4}<X\leq \frac{5}{4}\right)=F_X\left(\frac{5}{4}\right)-F_X\left(\frac{1}{4}\right)
  =\frac{5}{4}-\frac{1}{3}-\frac{2}{3}\cdot\left(\frac{1}{4}\right)^3=\frac{87}{96}.$$ Da $F_X(x)$
  an der Stelle $x=1$ stetig ist, gilt $P_X(X=1)=0$.

\end{enumerate}















\item Eine telegraphische Nachricht im Morse-Alphabet besteht aus den Signalen
``Punkt'' und ``Strich''. Es ist bekannt, dass ``Punkt'' und ``Strich'' im Verhältnis
5:3 auftreten. Durch eine Störung können einzelne Signale nicht verstanden werden,
wobei die statistischen Eigenschaften dieser Störung solcher Art sind, dass im Mittel
$2/5$ der ``Punkt'' - und $1/3$ der ``Strich''-Signale gestört sind. Man bestimme die
Wahrscheinlichkeit, dass ein übertragenes Signal verstanden werden kann, und die
Wahrscheinlichkeiten, dass ein nicht verstandenes Signal ``Punkt'' bzw. ``Strich'' war.

\textbf{Lösung:}\\
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein übertragenes Signal verstanden werden kann, ist gleich
1 minus der Gegenwahrscheinlichkeit, nämlich der Wahrscheinlichkeit, dass das Signal
gestört ist. Diese setzt sich zusammen aus
\begin{align*}
  P(\text{übertragenes Signal ist gestört})
  &=P(\text{übertragenes Signal ist gestört und war ursprünglich ein Punkt})\\
  &\quad+P(\text{übertragenes Signal ist gestört und war ursprünglich ein Strich})\\
  &=P(\text{Signal ist Punkt})\cdot P(\text{Punktsignal ist gestört})\\
  &\quad+P(\text{Signal ist Strich})\cdot P(\text{Strichsignal ist gestört})\\
  &=\frac{3}{8}\cdot \frac{1}{3}+\frac{5}{8}\cdot \frac{2}{5}=\frac{3}{8}.
\end{align*}
Die Wahrscheinlichkeit, dass das übertragene Signal verstanden werden kann, beträgt
$1-\frac{3}{8}=\frac{5}{8}$. Die bedingte Wahrscheinlichkeit, dass ein nicht
verstandenes Signal ursprünglich ein Punkt war, beträgt
 $$P(\text{Signal ist Punkt}|\text{Signal nicht verstanden})=
   \frac{P(\text{gestörtes Signal ist ein Punkt})}{P(\text{Signal wird nicht
   verstanden})}
  =\frac{\frac{3}{8}\cdot \frac{1}{3}}{\frac{3}{8}}=\frac{1}{3}.$$
 Analog ergibt sich
 $$P(\text{Signal ist Strich}|\text{nicht verstanden})=\frac{\frac{5}{8}\cdot \frac{2}{5}}
 {\frac{3}{8}}=\frac{2}{3}.$$


\item Bezeichne $K$, $R$ bzw. $S$ die Ereignisse, dass die \textit {Kleine Zeitung}, die
\textit {Kronenzeitung} bzw. der \textit {Standard} in einem österreichischen Haushalt
gelesen wird. Es sei bekannt, dass $P(K)=0.7$, $P(R)=0.5$, $P(S)=0.6$, $P(K$ aber nicht
$R)=0.3$, $P(R$ und $S)=0.2$, $P(K$ und $R$ und $S)=0.1$. Man bestimme die
Wahrscheinlichkeit der Ereignisse
\begin{itemize}
  \item $A_1$:\quad $S$ und $R$, aber nicht $K$.
  \item $A_2$:\quad $R$ und $K$, aber nicht $S$.
  \item $A_1$ oder $A_2$.
\end{itemize}

\textbf{Lösung:}\\
Bezeichne im folgenden $\bar K$, dass $K$ nicht eintritt. Analoges soll für $\bar S$
und $\bar R$ gelten.
\begin{itemize}
  \item Wir nützen im nachfolgenden aus, dass $$S\cap R=(S\cap R\cap K)\cup
  (S\cap R\cap \bar K).$$ Damit folgt nämlich für die Wahrscheinlichkeiten dieser
  Ereignisse
  $$P(A_1)=P(S\cap R\cap \bar K)=P(S\cap R)-P(S\cap R\cap K)=0.2-0.1=0.1.$$
  \item Zuerst berechnen wir $P(K\cap R)=P(K)-P(K\cap \bar R)=0.7-0.3=0.4,$\\
  Damit erhalten wir
  $$P(A_2)=P(K\cap R\cap \bar S)=P(K\cap R)-P(K\cap R\cap S)=0.4-0.1=0.3.$$
  \item $P(A_1$ oder $A_2)=P((S\cap R\cap \bar K) \cup (K\cap R\cap \bar
  S))=0.1+0.3=0.4$, da die beiden Ereignisse $A_1$ und $A_2$ voneinander unabhängig sind.
\end{itemize}






\item Zwei Spieler A und B, ziehen (unabhängig voneinander) aus einem gut
durchmischten Skatspiel (32 verschiedene Karten, eine davon ein Herz-As, eine zweite
ein Karo-As) abwechselnd eine Karte ohne Zurücklegen. Spieler A beginnt. Wer zuerst
das Herz-As oder das Karo-As zieht, hat gewonnen. Ist nach dem Ziehen der 5. Karte
noch kein Sieger ermittelt, so wird das Spiel abgebrochen.

\begin{enumerate}
\item Die Zufallsvariable $X$ beschreibe die Anzahl der in einem Spiel gezogenen
Karten. Man bestimme die Verteilung der Zufallsvariablen $X$ und ihre
Verteilungsfunktion.
\item Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit $p_A$ bzw. $p_B$, dass Spieler A bzw.
Spieler B gewinnt?
\end{enumerate}

\textbf{Lösung:}
\begin{enumerate}
  \item
  Das Ereignis ``$X=1$'' tritt ein, wenn bereits die erste gezogene Karte das Herz-
  oder das Karo-As ist. Die Wahrscheinlichkeit für dieses Ereignis ist $2/32$
  (Laplace-Experiment). Weiters tritt das Ereignis ``$X=2$'' dann ein,
  wenn die erste gezogene Karte keines dieser Asse war (Wahrscheinlichkeit $30/32$) und
  beim nächsten Zug aus den restlichen verbleibenden 31 Karten ein rotes As gezogen
  wird (Wahrscheinlichkeit $2/31$). Demnach ist die Wahrscheinlichkeit, dass
  das Spiel nach zwei Spielzügen endet, gleich $$P(X=2)=\frac{30}{32}\cdot\frac{2}{31}.$$
  Durch analoge Überlegungen folgen die entsprechenden Wahrscheinlichkeiten für die
  Spieldauer von 3 und 4 Spielzügen. Das Spiel wird nach spätestens 5 Zügen abgebrochen, d.h. die
  Wahrscheinlichkeit, dass exakt am 5. Zug abgebrochen wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass
  bei keinem vorherigen Zug ein rotes Ass gezogen wurde. Insgesamt ergeben sich also folgende Werte:
  $$\begin{tabular}{|c|cll|}\hline
    $k$& $P(X=k)$&&\\ \hline &&&\\
    1&  $\frac{2}{32}$&=&0.0625\\ &&&\\
    2&  $\frac{30}{32}\cdot\frac{2}{31}$&=&0.0605\\ &&&\\
    3&  $\frac{30}{32}\cdot\frac{29}{31}\cdot\frac{2}{30}$&=&0.0585\\ &&&\\
    4&  $\frac{30}{32}\cdot\frac{29}{31}\cdot\frac{28}{30}\cdot\frac{2}{29}$&=&0.0565\\ &&&\\
    5&  $\frac{30}{32}\cdot\frac{29}{31}\cdot\frac{28}{30}\cdot\frac{27}{29}$&=&0.762\\ &&&\\
    \hline
  \end{tabular}$$
  Die Verteilungsfunktion $F(x)$ ist diskret und springt in den Punkten $x=k$ um den
  Wert $P(X=k)$.

  \item Der Spieler A kann nur in Runde 1, Runde 3 oder Runde 5 gewinnen. Man erhält
  daher
  \begin{align*}
    p_A&=P(X=1)+P(X=3)+\frac{30}{32}\cdot\frac{29}{31}\cdot\frac{28}{30}\cdot\frac{27}{29}
    \cdot\frac{2}{28}\\
    &=0.0625+0.0585+0.0544\\
    &=0.1754.
  \end{align*}
  Wenn hingegen Spieler B gewinnt, kann dies nur in Runde 2 oder Runde 4 geschehen.
  \begin{align*}
    p_B&=P(X=2)+P(X=4)\\
    &=0.0605+0.0565\\
    &=0.1170.
  \end{align*}
  Mit Wahrscheinlichkeit $1-p_A-p_B=0.7076$ hat das Spiel keinen Gewinner.
\end{enumerate}







\end{enumerate}


\end{document}
