Inhalt | Einleitung | theoretische Grundlagen | Das Institut DESY | Vergleich mit CERN | Anhang
Das
Deutsche Elektronen-Synchrotron wurde am 18. Dezember 1959 als nationale
Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland mit dem Status einer �ffentlichen
Stiftung gegr�ndet. Dies bedeutet, da� die j�hrlich rund 230 Mio. DM f�r den Betrieb
zu 90% von der Bundesrepublik Deutschland und zu 10% von der Stadt Hamburg aufgebracht
werden und die Untersuchungen bei DESY f�r jedermann kostenlos sind, die Ergebnisse
jedoch sofort ver�ffentlicht werden m�ssen. DESY ist die einzige
Gro�forschungseinrichtung, die sich mitten in einer Gro�stadt befindet, n�mlich direkt
neben dem Hamburger Volkspark, Teile des HERA-Tunnels sogar darunter. Die folgende Tabelle
gibt die wichtigsten Jahreszahlen in der Geschichte des Institutes wider [DESY, EU94,
GE94]:
| Jahr(e) | Ereignisse und Entwicklungen |
|---|---|
| 1957-59 | Planung und Gr�ndung des Institutes |
| 1960-64 | Bau des Deutschen Elektronen-Synchrotrons DESY (anfangs 6 GeV, sp�ter 7,5 GeV) |
| 1964 | LINAC I (55 MeV) startet |
| 1967-73 | Bau des Doppelring-Speichers DORIS (2 mal 3,5 GeV - Synchrotron f�r Elektronen und Positronen) |
| 1972 | Das Europ�ische Labor f�r Molekularbiologie, welches die anfallende Synchrotronstrahlung n�tzt, wird er�ffnet. |
| 1976-78 | Bau der Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage PETRA (2 mal 23 GeV) |
| 1978-80 | Bau des Hamburger Synchrotronstrahlungs-Labor HASYLAB |
| 1981/82 | Umbau von DORIS zum Elektron-Positron-Collider DORIS II mit lediglich einer Vakuumr�hre (2 mal 5,6 GeV) |
| 1986 | Umbau von PETRA zu PETRA II (e�: 12 GeV, p: 40 GeV) als Injektor f�r HERA |
| 1984-88 | (Um-)Bau von DESY II, DESY III und LINAC III f�r die geplante Anlage HERA |
| 1984-90 | Bau des Elektron-Proton-Colliders HERA (30 GeV Elektronen/Positronen, 820 GeV Protonen) |
| 1990/91 | DORIS wird zu DORIS III umgebaut und mit 7 Wigglern und Undulatoren versehen, um h�here Synchrotronstrahlungsintensit�t zu erhalten |
| 1991 | 19. Oktober: erste Proton-Elektron-Kollisionen in HERA |
| 1992 | Inbetriebnahme der Hadron-Elektron-Ring-Anlage HERA |
| ab 1993 | DORIS III wird ausschlie�lich als Synchrotronstrahlungsquelle f�r das HASYLAB genutzt |
| 1995 | Bei PETRA wird ein Undulator eingebaut, um ab nun auch PETRA als
Synchrotronstrahlungsquelle f�r 12 GeV Strahlung zu n�tzen. Das fixed-target Experiment HERMES bei HERA geht in Betrieb |
Bei DESY wird in zwei Hauptgebieten, die nicht nur die Grundlagenphysik betreffen,
geforscht: Der Hochenergiephysik (Elementarteilchenphysik) und der Synchrotronstrahlung.
Dazu stehen zur Zeit drei Hauptringe zur Verf�gung, n�mlich der Elektronenring DORIS,
der ausschlie�lich zur Erzeugung von Synchrotronstrahlung f�r HASYLAB genutzt wird, und
die beiden HERA-Ringe f�r Positronen und Protonen, wo Hochenergieforschung mittels
Elektron-Proton-Kollisionen betrieben wird. Zur Einspeisung der Teilchen in die Hauptringe
stehen sieben Vorbeschleuniger zur Verf�gung, die fr�her Hauptringe waren und zu
Vorbeschleunigern umkonstruiert wurden.
War DESY fr�her ausschlie�lich eine nationale Forschungseinrichtung, so erfreut es sich
nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, da� HERA der einzige Elektron-Proton-Collider der
Welt ist, schon seit l�ngerem regen ausl�ndischen Interesses. Es sind zur Zeit bei DESY
mehr als 700 Wissenschaftler von 84 Universit�ten und anderen Instituten aus nicht
weniger als 17 L�ndern t�tig, und 1300 Angestellte besch�ftigt.
Das Institut f�r Hochenergiephysik Zeuthen, kurz DESY-IfH Zeuthen genannt, geh�rt seit dem 1. J�nner 1992 zu DESY. Dieses Institut, das zu 90% vom Bund und zu 10 % vom Land Brandenburg finanziert wird, hat sich zum Gro�teil auf die Entwicklung von neuen Detektorkomponenten spezialisiert. So entwarf man einige Teile von H1 bei HERA und dem L3-Detektor bei CERN nahe Genf. Man bereitet aber auch Teile von zuk�nftigen DESY-Projekten, wie HERMES (bereits in Betrieb) oder HERA-B, vor. Au�erdem werden die Messergebnisse der gro�en HERA-Detektoren teilweise bei IfH ausgewertet, oder man nimmt an anderen internationalen Projekten teil, wie zur Zeit gerade am Neutrino-Teleskop NT-200 im Baikalsee in einer Tiefe von 1100 m. Das IfH ist heute auch Ausbildungsst�tte f�r zahlreiche Berufe. Es arbeitet aber nicht nur im experimentellen, sondern auch im theoretischen Sektor.
An der Spitze des Institutes steht das f�nfk�pfige Direktorium, in dem unter dem
Vorsitz von Bj�rn H. Wiik die vier Bereiche "Verwaltung", "Zentrale
Datenverarbeitung, Entwicklung und Betrieb", "Maschine" und
"Forschung" durch je einen Forscher vertreten sind. Zur Seite stehen dem
Direktorium bei wissenschaftlichen Belangen der Wissenschaftliche Rat mit 10-15
Mitglieder, und bei verwaltungstechnischen Themen der Verwaltungsrat mit drei Vertretern
der Bundesrepublik Deutschland und jeweils zwei Vertretern der Stadt Hamburg und des
Landes Brandenburg. Das Institut wird in f�nf Bereiche unterteilt, welche neben den vier
oben genannten noch das DESY IfH Zeuthen beinhalten, welches wiederum in die Bereiche
"Forschung", "Zentrale Datenverarbeitung, Entwicklung und Betrieb" und
"Verwaltung" unterteilt wird. (nach [DE95])
Folgend seien nur die wichtigsten Entdeckungen (in etwa) chronologisch und mit der Anlage, die zur Entdeckung f�hrte, aufgelistet [DESY, GE94]:
Um die Struktur von Teilchen zu untersuchen wendet man dasselbe Prinzip an, wie es schon
Rutherford bei seinen Streuversuchen zur Erforschung des Atoms tat: Man beschie�t sie mit
anderen, kleineren Teilchen. Bei HERA l��t man Protonen und Elektronen frontal
kollidieren und mi�t die Streuung des Elektrons, wobei es zwei verschiedene Arten gibt
[EU94, GE94, u.a.]. Bei einem NC-Ereignis (Neutral-Charge, s. Abbildung 13) wird ein
ungeladenes Eichboson (Photon, Z0) ausgetauscht (s. Abbildung 14), wodurch das Elektron
erhalten bleibt und im Detektor neben dem Teilchenjet des Quarks nachgewiesen wird, der
Protonrest verl��t den Detektor durch das Vakuumrohr unerkannt. Die zweite Art der
Elektron-Proton-Streuung ist ein sogenanntes CC-Ereignis (Charged-Current, s. Abbildung
15), bei dem durch den Austausch eines geladenen W(-Bosons das Elektron in ein e-Neutrino
umgewandelt wird, das im Detektor nicht nachgewiesen werden kann. Ansonsten l�uft alles
gleich ab wie bei einem NC-Ereignis.
Der Streuproze�
l��t sich durch zwei kinematische Gr��en, x und Q�, beschreiben. Dabei gibt x, die
sogenannte Bj�rken-Skalen-Variable, den Bruchteil des Protonimpulses an, den das Quark
besa�, an dem das Elektron gestreut wurde. Q� ist ein Ma� f�r den im Sto�
�bertragenen Impuls (das Quadrat der Energie des Austauschteilchens) [GE94, EU94]. Beide
Gr��en werden durch die Messung der Energie der Teilchen (Energie der Elektronen: Ee vor
und Ee' nach der Streuung; Energie der Proton: Ep) und bei einem NC-Event durch Messung
des Streuwinkels
e des
Elektrons, bei einem CC-Event durch Messung des Winkels
j des Teilchenjets bestimmt [F�93, JA92]:
f�r ein NC-Event
f�r ein CC-Event
Aus dem Wert von Q kann man die maximale Ortsaufl�sung
berechnen [EU94]:
mit
und Q...�bertragener Impuls bei der Streuung
Durch diese Streuprozesse erhoffen sich die Teilchenphysiker neben genaueren Erkenntnissen
�ber die Strukturfunktionen des Protons, welche die innere Struktur mathematisch
beschreiben, auch eine praktische Best�tigung der Quantenchromodynamik (QCD) [JA92,
F�93, EU94].
Wenn in HERA Elektronen und Protonen mit hoher Geschwindigkeit aufeinanderprallen, wird
das Elektron im elektrischen Feld des Protons beschleunigt und strahlt dabei ein Photon
ab, das anschlie�end mit den geladenen Bausteinen des Protons reagiert. Das geschieht
normalerweise elektromagnetisch. Doch die Heisenbergsche Unsch�rferelation erlaubt es dem
Photon auch, sich f�r �u�erst kurze Zeit in ein Quark-Antiquark-Paar umzuwandeln, das
dann als Hadron weiterfliegt und die gleichen Quantenzahlen besitzt wie das Photon [GE94].
Dies er�ffnet au�erhalb von Proton-Antiproton-Kollisionen die M�glichkeit rein
hadronischer Wechselwirkungen. Diese doppelte Erscheinungsform des Photons spiegelt sich
in den beiden m�glichen Arten von Prozessen wider [GE94, EU94, F�93], in denen ein
abgestrahltes Photon an einem Proton gestreut wird: dem direkten Proze� (Abbildung 16),
in dem das Photon als Lichtquant reagiert, und dem aufgel�sten Proze� (Abbildung 17),
bei dem das Photon wie eine Wolke von Quarks und Gluonen mit einem der Quarks oder Gluonen
des Photons reagiert. Beim direkten Proze�, haupts�chlich der Photon-Gluon-Fusion,
verschmelzen das Photon und ein vom Proton abgestrahltes Gluon und erzeugen ein schweres
Quark-Antiquark-Paar, was sich in zwei Teilchenjets manifestiert. Das gestreute Elektron
und der Protonrest verlassen den Detektor unregistriert durch das Strahlrohr. Beim
aufgel�sten Proze� reagiert das Photon als Quark-Antiquark-Paar, wobei eines der Quarks
ein Gluon abstrahlt, das dann mit einem Teil des Protons (in Abbildung 15 mit einem Gluon)
reagiert. Dabei entstehen wieder zwei Jets, im Unterschied zum direktem Proze�
zus�tzlich ein Photonrest, der sich im Detektor nachweisen l��t.
Die Analyse dieser Prozesse erbrachte den Beweis, da� Photonen nicht nur Lichtquanten
sind, sondern sich auch wie ein "Sack voller Quarks und Gluonen" [GE94, S. 18]
verhalten.
Als Elektron-Proton-Speicherring ist HERA sehr gut dazu geeignet, nach bestimmten neuen Formen von Materie zu suchen [EU94]. Zum einen sind das angeregte Zust�nde von Elektronen und zum anderen sogenannte "Leptoquarks". Dies sind Teilchen, die aus einem Elektron und einem Quark bestehen und somit eine Leptonen- und eine Baryonenzahl ungleich 0 besitzen. Solche seltsam anmutenden Teilchen werden von allen Theorien vorausgesagt, die das Standardmodell auch mit der Gravitation zu verkn�pfen versuchen. Bisher konnte jedoch weder von DESY, das wegen der Kollision von Elektronen (Leptonen) mit Protonen (bestehend aus Quarks) daf�r besonders geeignet ist, noch von einem anderen Teilchenforschungsinstitut eine Erfolgsmeldung in dieser Richtung vernommen werden. Bei DESY gelang es jedoch, eine untere Massegrenze von 250 GeV f�r solche Leptoquarks zu bestimmen [DE95]. W�rde es gelingen, Leptoquarks oder angeregte Zust�nde von Elektronen zu finden, w�re dies ein Hinweis, da� die zur Zeit bekannten Elementarteilchen Quarks und Leptonen noch aus kleineren Strukturen bestehen.
Urspr�nglich nahm man an, der Spin von Hadronen setze sich aus den Spins seiner
Komponenten, also der Quarks, zusammen. Bei Versuchen des CERN, des Europ�ischen
Teilchenforschungsinstitutes nahe Genf, wurde jedoch diese Annahme widerlegt.
Im Rahmen des HERMES-Programmes, welches seit 1995 l�uft, versucht man nun bei HERA den
Spin von Protonen genauestens zu untersuchen. Bei diesem Programm wird der polarisierte
Elektronenstrahl auf Wasserstoff, Deuterium und Helium-3 gelenkt. Durch die H�ufigkeit
der Ablenkungswinkel erhoffen sich die Physiker genauere Aufschl�sse �ber den Ursprung
des Protonenspins [GE94].
Die Informationen zum folgenden Kapitel �ber die Anlagen bei DESY wurden [DESY, DE90, DE95, EX90, EU94, F�93, GE92, GE94, GE94a, HA88, HA93, INAA, INDE, INZE, KR91, NI90, RU93, SC93, SE90, WA91] entnommen
Der erste Beschleunigerring des Institutes, das Deutsche Elektronen-Synchrotron, wurde
am 25.2. 1964 in Betrieb genommen. Mit einem Umfang von 317 m, Baukosten von nur etwa 80
Mio. DM und einer Elektronenenergie von 6 GeV nimmt es sich vergleichsweise winzig
gegen�ber den heutigen Ringen aus. Bei DESY wurden au�erdem lediglich fixed-target
Experimente durchgef�hrt, bei denen die beschleunigten Teilchen auf ein ruhendes Target
geschossen wurden. Dadurch wurde nur eine sehr geringe Schwerpunktsenergie erreicht. Man
erhielt bereits erste Hinweise auf die "k�rnige Struktur des Protons", jedoch
war die Energie zu klein, um die Quarks endg�ltig nachzuweisen. Bereits im Jahr 1965
erfolgte die erste Nutzung der unausweichlich entstehenden Synchrotronstrahlung.
Im Jahr 1986 wurde im selben Tunnel das DESY II als Elektronen-Vorbeschleuniger f�r den
gro�en HERA-Ring gebaut, das alte Synchrotron wurde zu DESY III als
Protonen-Vorbeschleuniger umkonzipiert.
Nachdem
man bereits im Jahr 1965 erste Versuche mit Synchrotronstrahlung bei DESY unternommen und
im Jahr 1974 mit Synchrotronstrahlungsexperimenten bei DORIS begonnen hatte, gr�ndete man
1981 das Hamburger Synchrotronstrahlungs-Labor, kurz HASYLAB, am Speicherring DORIS. Damit
stand f�r die Fachwelt eine einzigartige Quelle elektromagnetischer Strahlung hoher
Intensit�t und mit breitem Spektrum zur Verf�gung. Im Jahr 1991, im Zuge des Umbaus von
DORIS II zu DORIS III, wurden 7 Wiggler und Undulatoren, im folgenden Jahr noch weitere
eingebaut. Seit 1993 wird DORIS III nur noch als Synchrotronstrahlungsquelle f�r das
HASYLAB betrieben und stellt so f�r 4250 Stunden im Jahr Strahlung zur Verf�gung. Der
Elektronen- bzw. seit 1994 Positronenstrahl hat f�r 8 Stunden eine hinreichend gro�e
Dichte f�r eine vern�nftige Erzeugung von Synchrotronstrahlung. Bei HASYLAB stehen zur
Zeit 39 Me�pl�tze etwa 40 m vom Ring entfernt zur Verf�gung, wo an 83 Instrumenten etwa
1000 Wissenschaftler von 130 Instituten aus 25 L�ndern ihre Forschungen betreiben
(Abbildung 18 zeigt eine Skizze von HASYLAB). Die Strahlung wird durch Vakuumrohre vom
Ring zu den Me�stationen geleitet, wo Experimente leicht im Ultra-Hoch-Vakuum (UHV)
durchgef�hrt werden k�nnen. F�r Experimente in Luft wird die Strahlung durch nicht
absorbierende Berillium-Fenster nach au�en gelassen. Bis heute wurden 20 Wiggler und
Undulatoren eingebaut, wodurch die urspr�ngliche Intensit�t auf das tausendfache erh�ht
werden konnte.
Im Jahr 1974 in Betrieb genommen, war der Elektron-Positron-Collider DORIS (DOppel-RIng-Speicher)
mit einem Umfang von 288 m f�r Schwerpunktsenergien von 3 bis 4 GeV konzipiert. Damit
lie�en sich die gerade entdeckten charm-Resonanzen (J/
- Teilchen) untersuchen. Aufgrund des guten Vakuums konnten die
Teilchen erstmals �ber Stunden im Collider kreisen, bis der Strahlstrom zu schwach wurde.
In der Folge wurde 1982 ein Umbau zu DORIS II mit einer Schwerpunktsenergie von etwa 10
GeV vorgenommen, wobei der Speicherring danach nur noch eine Vakuumr�hre besa�, in der
ein e- und ein e+-Teilchenpaket (Bunch) in entgegengesetzter Richtung umliefen. Dadurch
ergaben sich zwei Kollisionszonen mit einer Frequenz von etwa 100 MHz, wobei im einen
Wechselwirkungspunkt der Detektor ARGUS (A Russian German USA Swedish Collaboration) und
im anderen bis zum Bau des HASYLAB (Hamburger Synchrotronstrahlungs-Labor, s. 3.4.2) der
Detektor Crystal Ball aufgestellt waren. Bis zum Bau von PETRA war DORIS der gr��te Ring
bei DESY.
Neben den charm-Resonanzen wurden bei DORIS II vor allem Experimente mit bottom-Teilchen
durchgef�hrt. Dabei wurden die Wahrscheinlichkeiten gemessen, mit denen ein Quark in ein
anderes Quark einer niedrigeren Generation �bergeht. Diese Parameter sind Werte, welche
das Standardmodell nicht voraussagen kann und die daher experimentell ermittelt werden
m�ssen.
Da man mit DORIS und dem Detektor ARGUS international kaum noch konkurrieren konnte,
beschlo� man 1993, das Teilchenphysikprogramm an DORIS zu beenden und den Speicherring
als DORIS III, durch Wiggler und Undulatoren (auf etwa 11% des Umfanges) entsprechend
optimiert f�r Positronen, nur noch als Synchrotronstrahlungsquelle f�r das HASYLAB
einzusetzen. Die Energie des Teilchenstrahles betr�gt nun etwa 4,5 GeV.
Der 1978 fertiggestellte Elektron-Positron-Collider PETRA (Positron-Elektron-Tandem-Ring-Anlage)
war mit einem Umfang von 2,3 km und einer Schwerpunktsenergie von urspr�nglich 18,5 GeV
je Strahl (ab 1984 sogar 23,5 GeV) bis zum Jahr 1989 der Speicherring mit der weltweit
h�chsten Elektronenenergie. Der Bau wurde noch in offener Bauweise durchgef�hrt, und die
Experimente bereits mit betr�chtlicher ausl�ndischer Beteiligung ausgef�hrt. Bei PETRA
wurden die Gluonen bei Drei-Jet-Ereignissen (s. Abbildung 5) entdeckt, ihr Spin gemessen
und die elektroschwache Theorie experimentell untermauert. An diesem Ring waren f�nf
Detektoren aufgestellt: CELLO, JADE, MARK J, PLUTO und TASSO.
Ungeachtet aller Erfolge wurde PETRA Ende 1986 stillgelegt, da man sich bei DESY von da an
dem Bau von HERA verschrieben hatte. Dies bedeutete jedoch noch nicht das endg�ltige Aus
f�r PETRA, der nun zum letzten von HERAs zahlreichen Vorbeschleunigern umgebaut wurde und
fortan den Namen PETRA II tr�gt.
Da bei der Funktion als Vorbeschleuniger der Ring bei weitem nicht ausgelastet ist,
beschlo� man 1993, einen Undulator einzubauen und den Ring w�hrend der nicht genutzten
Zeit als Quelle von Synchrotronstrahlung einzigartiger Charakteristik zu verwenden. Der
Energiebereich dieser Synchrotronstrahlung liegt im Bereich von 10-200 keV.
Bereits im Jahr 1972 wurde erstmals der Vorschlag laut, einen Collider zu bauen, in dem
die beiden verschiedenartigen Teilchen Elektronen und Protonen kollidieren sollten. Im
Jahr 1984 wurde schlie�lich mit dem Bau begonnen, 1992 wurde der Ring dann endg�ltig als
bisher einziger Elektron-Proton-Collider der Welt in Betrieb genommen. Mit einem Umfang
von 6336 m erreicht HERA Schwerpunktsenergien von 314 GeV und somit Aufl�sungen von etwa
10E-16 mm. Es kreisen jeweils 210 gegenl�ufige Teilchenpakete (Bunches) in einem Abstand
von ungef�hr 30m oder 96 ns in den Ringen f�r die Protonen und die Elektronen, wobei
drei Kollisionszonen eingebaut wurden, in denen sich die Teilchenstrahlen kreuzen und
folglich Wechselwirkungen stattfinden k�nnen. In der vierten verf�gbaren Halle finden
keine Wechselwirkungen statt, da sie f�r fixed-target Experimente errichtet wurde. Bisher
wurden in den Hallen Nord und S�d die beiden Detektoren ZEUS und H1 aufgebaut, mit denen
die in 3.3 beschriebenen Experimente durchgef�hrt werden, in der Halle Ost l�uft seit
Beginn des Jahres 1995 das fixed-target Experiment HERMES. Bei einem
fixed-target-Experiment prallen nicht zwei gegenl�ufig zirkulierende Teilchenstrahlen
gegeneinander, sondern einer der Strahlen wird auf ein ruhendes (fixed) Ziel (target)
gerichtet. Ein weiters Experiment namens HERA-B befindet sich f�r die Halle West in
Vorbereitung bzw. Bau.
Bei den Positronen enth�lt ein Bunch etwa 35 Mrd. Teilchen, bei den Protonen 100 Mrd.
Durch die Kollisionen und die Bremsstrahlung nimmt die Intensit�t der Strahlen mit der
Zeit ab, weshalb nach etwa 8 Stunden eine neuerliche Auff�llung notwendig ist, welche
etwa 20 Minuten dauert.
Zugang zum Tunnel mit einem Innendurchmesser von 5,2 m findet man nur durch die vier
riesigen Hallen von 25 x 43 m, in denen die Experimente aufgebaut sind.
Die Bunches umlaufen die Ringe etwa 47.400 Mal pro Sekunde, was in etwa der
Lichtgeschwindigkeit entspricht, wodurch sich etwa 10 Mio. Durchdringungen pro Sekunde
ergeben. Bei der hohen Zahl von Kollisionen ist nat�rlich eine starke Selektion durch
Computer absolut unumg�nglich. Durch die sogenannten Trigger direkt im Detektor werden
die Ereignisse schon nach bestimmten Kriterien aussortiert, der zentrale Rechner reduziert
dann die Zahl auf letztlich etwa 5 Wechselwirkungen pro Sekunde, die wirklich registriert,
auf Magnetband gespeichert und sp�ter ausgewertet werden.
Bei Elektronen-Synchrotronen hatte man beim Bau von HERA schon viel Erfahrung, wogegen man
f�r die Protonenr�hre erst v�llig neue Techniken entwickeln mu�te. Vor allem mu�ten
die Tieftemperatur-Technik und die Magnetentwicklung stark forciert werden. Die
Beschleunigung geschieht haupts�chlich in Hochfrequenz-Beschleunigungsstrecken (auch
Cavities genannt) in den geraden Teilen des Ringes.
Im Jahr 1994 wurde der Betrieb von Elektronen auf Positronen umgestellt, welche nicht
durch Restgasmolek�le eingefangen werden, und so eine h�here Lebensdauer aufweisen. In
der Elektronenr�hre kreisen die Positronen mit etwa 30 GeV, w�hrend die Protonen in
einer gesonderten, im Tunnel direkt oberhalb verlaufenden R�hre 820 GeV erreichen.
Besonders heikel ist die Vernichtung des Strahles bei einer Neuauff�llung des Ringes oder
einem unvorhergesehenen Zwischenfall, da die 2,7 Mio. Joule der Teilchenstrahlen
abgefangen werden m�ssen, ohne weiteren Schaden zu verursachen. Dies geschieht durch
einen riesigen Klotz aus Graphit, Aluminium, Kupfer (um die Energie zu verteilen) und
Eisen (um die Energie zu absorbieren).
(nach [DE90, DE95, GE92, GE94, INDE])
| Bauzeit: | Mai 1984 - November 1990 |
| Kosten | 1.010 Mio. DM |
| beteiligte L�nder | 12 |
| Schwerpunktsenergie | 314 GeV |
| Umfang | 6.336 m |
| Tiefe unter der Erdoberfl�che | 10-25 m |
| Innendurchmesser des Tunnels | 5,20 m |
| Anzahl der Vorbeschleuniger | 6 |
| Experimentierhallen (jeweils 25 x 43 m) | 4 |
| Wechselwirkungspunkte | 3 |
| aufgestellte Experimente | ZEUS (Halle S�d) H1 (Halle Nord) |
| Fixed-target Experimente | HERMES (Halle Ost) |
| geplantes Experiment / in Bau | HERA-B (Halle West) |
| Positronen | Protonen | |
|---|---|---|
| Energie | 30 GeV | 820 GeV |
| Injektionsenergie | 14 GeV | 40 GeV |
| Luminosit�t per WW-Punkt | 1,5 x 10E+31 1/cm�s | |
| Teilchenstrom | 60 mA | 160 mA |
| Teilchen pro Bunch | 3,5 x 10E+10 | 10E+11 |
| Anzahl der Bunches | 210 | 210 |
| Kollisionswinkel | 0� (Frontalkollision in den Detektoren) | |
| Abstand der Bunches | 28,8 m | |
| Bunch-Ausma�e (l x b x h im mm) | 25 x 0,264 x 0,017 | 440 x 0,3 x 0,095 |
| Energieverlust pro Umlauf | 70,38 MeV | 1,4 x 10E-10 MeV |
| Auff�llzeit | 15 min | 20 min |
| Positronen | Protonen | |
|---|---|---|
| Anzahl der Magnete | 2.009 | 1.833 |
| Haupt-Dipole | 456 | 422 (supraleitend) |
| Haupt-Quadrupole | 605 | 224 (supraleitend) |
| Feldst�rke der Dipole | 0,16 Tesla | 4,68 Tesla |
| Anzahl der normalleitenden HF-Cavities | 82 | 2 / 4 |
| Anzahl der supraleitenden HF-Cavities | 16 | - |
| Frequenz der Cavities | 500 MHz | 52 / 208 MHz |
Nach l�ngerer Planungszeit wurde am 6. April 1984 die Vereinbarung �ber den Bau des
Elektron-Proton-Speicherringes HERA vom deutschen Bundesforschungsministers Dr. Heinz
Riesenhuber unterzeichnet. Die Bauzeit wurde von Mai 1984 bis November 1990 veranschlagt.
Als erstes mu�te der 10 bis 25 m unter der Erdoberfl�che verlaufende Tunnel unter
Privatgrund, Industriegebiet und dem Hamburger Volkspark im Schildvortrieb mit der
Maschine HERAKLES gebohrt werden (Abbildung 20 zeigt das geologische Profil entlang des
Tunnels). Bereits im August 1987 wurde der Tunnel mit 5,20 m Innendurchmesser
fertiggestellt, und ein knappes Jahr sp�ter kreisten auch schon die ersten Elektronen in
der neugebauten Elektronenr�hre. Genau zum geplanten Zeitpunkt, am 8. November 1990,
wurde der zweite Teil des Protonenringes abgek�hlt und damit der Speicherring HERA
baulich fertiggestellt. Mitte April 1991 konnten dann auch endlich die ersten Protonen
gespeichert werden, und am 19. Oktober 1991 fanden die ersten Kollisionen statt.
Besonders erstaunlich ist beim Bau von HERA die exakte Einhaltung des Kosten und des
Termines. Der Hamburger B�rgermeister Dr. Vorscherau wagte sogar die Bemerkung, HERA sei
der einzige �ffentliche Bau, bei dem man die Einhaltung der Kosten heute noch feststellen
k�nne.
Der Bau fand unter intensivster Zusammenarbeit mit der Industrie statt (45 Institute und
320 Firmen mit einem Auftragswert von �ber 50.000 DM waren involviert), die Baukosten
betrugen 1,01 Mrd. DM. Neu bei der Finanzierung von HERA war die gro�e internationale
Unterst�tzung und Beteiligung von Instituten aus 12 L�ndern. So betrug bei den beiden
Detektoren H1 und ZEUS der ausl�ndische Kostenanteil etwa 60%.
Da normalleitende Magnete einen weitaus h�heren Stromverbrauch, aber ein geringeres
Magnetfeld als supraleitende Magnete besitzen, beschlo� man, die Magnete f�r den
Protonenring von HERA mit supraleitenden Spulen auszustatten. Supraleitung bedeutet, da�
bestimmte Materialien unter einer charakteristischen Temperatur, der sogenannten
Sprungtemperatur (bei Niob-Titan etwa 4,2�K, also der Temperatur des fl�ssigen Heliums),
pl�tzlich jeglichen elektrischen Widerstand verlieren, soda� Strom in einem
geschlossenen Kreislauf theoretisch unendlich lange flie�en w�rde.
F�r diese Supraleitung mu�te ohne Vorbild eine Helium-K�lteanlage geschaffen werden,
die etwa 10- bis 20mal gr��er sein mu�te als die gr��te K�lteanlage bis dahin in
Europa. Sie wurde im Fr�hjahr 1987 fertiggestellt und arbeitete bis 1991 bereits �ber
13.000 Betriebsstunden ohne Probleme. Die Anlage besteht aus 2 parallel arbeitenden
K�lteanlagen (f�r die beiden Tunnelh�lften) und einer Reserveanlage. Das fl�ssige
Helium wird �ber zwei Verbindungsleitungen in den Ring gebracht, der f�r die K�hlung in
acht Oktanten unterteilt wurde. Die vierteilige Heliumleitung, �hnlich aufgebaut wie die
Protonenr�hre, verl�uft im Tunnel oberhalb der beiden Vakuumr�hren.
Die thermisch bedingte Schrumpfung der Vakuumr�hren bei der Abk�hlung auf 4,2� wird
durch 50 cm lange B�lge ausgeglichen, die entlang des gesamten Ringes eingebaut sind.
Diese B�lge stellten f�r die Techniker von DESY eine besondere Herausforderung dar, da
sie elastisch und zudem absolut luftdicht sein mu�ten.
Damit man im Speicherring die Elektronen und Protonen nicht von
Geschwindigkeit 0 an mit erheblichem Aufwand beschleunigen mu�, werden die Teilchen durch
eine Reihe von Vorbeschleunigern schon auf hohe Energien gebracht, bevor sie in HERA
eingespeist werden (s. Abbildung 21). Hierzu werden alle bei DESY verf�gbaren
Beschleuniger benutzt, mit Ausnahme von DORIS, der ausschlie�lich als Strahlungsquelle
f�r das HASYLAB l�uft. F�r die Positronen, die f�r HERA benutzt werden, beginnt die
Reise beim Linearbeschleuniger LINAC II, worauf sie in PIA in gr��erer Anzahl gesammelt
werden, bevor sie mit einer Energie von 450 MeV in DESY II eingespeist werden. Von dort
gelangen sie mit einer Energie von 9 GeV entweder sofort zu DORIS, wo sie
Synchrotronstrahlung f�r das HASYLAB erzeugen, oder sie werden bei PETRA II auf 154 GeV
weiterbeschleunigt, bevor sie in HERA eingeschossen werden. Die Protonen beginnen ihre
Reise als H- (ein Proton mit zwei umkreisenden Elektronen) im Linearbeschleuniger LINAC
III mit einer Energie von 50 MeV, worauf sie in DESY III auf 7,5 GeV weiterbeschleunigt
werden. Nachdem nun die beiden Elektronen an einer 200
m dicken Folie abgestreift wurden, erreichen die
Protonen in PETRA II schlie�lich die 40 GeV Injektionsenergie f�r HERA.
Die folgende Tabelle enth�lt s�mtliche Vorbeschleuniger mit ihren Daten und einer kurzen
Beschreibung [EX90]:
| Beschleun. | L�nge | Umbau | Endenergie | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
| LINAC I | 20 m | 1984 | 220 MeV | Quelle+Linearbeschleuniger f�r e- |
| LINAC II | 70 m | 1984 | 450 MeV | Quelle+Linearbeschleuniger f�r e+ |
| LINAC III | 32 m | 1988 | 50 MeV | Quelle+Linearbeschleuniger f�r p (in der Form von H-- Ionen) |
| PIA | 25 m | 1979 | 450 MeV | Positron intensity accumulator - Positronen-Speicher, um gen�gend p+ zu erhalten |
| DESY II | 300 m | 1986 | 9 GeV | Synchrotron f�r e+ und e- |
| DESY III | 317 m | 1988 | 7,5 GeV | Protonen-Synchrotron |
| PETRA II | 2,3 km | 1988 | p: 40 GeV e�:14 GeV |
Ringbeschleuniger f�r Elektronen, Positronen und Protonen |
Da bei HERA zwei v�llig verschiedene Teilchenarten, n�mlich Hadronen und Leptonen,
beschleunigt werden, sind daf�r zwei Ringe n�tig, in denen die Teilchen gegenl�ufig
kreisen. Abgelenkt werden die Teilchenstrahlen durch normale Dipolmagnete, durch
Quadrupole und Sextupole (Magnete mit 4 bzw. 6 Magnetpolen) werden sie fokussiert. Das
gesamte Magnetsystem ist in Modulbauweise ausgef�hrt, wobei ein Modul 9 m lang ist und
hintereinander einen Dipol, einen Korrekturmagnet, einen Quadrupol und einen Sextupol
beinhaltet.
Die Teilchen werden prinzipiell durch Hochfrequenzen beschleunigt, die in sogenannten
Klystron-R�hren erzeugt und in Cavities (Hohlraumresonatoren) gleich an die Teilchen
weitergegeben werden. F�r die beiden Teilchenr�hren wurden auch verschiedene
Hochfrequenz-Beschleunigungs-Systeme eingebaut.
F�r den Protonenring mu�ten von den DESY-Ingenieuren v�llig neue Techniken entwickelt
werden, der "HERA-Magnet" hat sich heute sogar weltweit durchgesetzt. Da f�r
die hohen Feldst�rken der Protonenr�hre supraleitende Magneten verwendet werden m�ssen,
entwickelten die Ingenieure einen supraleitenden Magneten in sogenannter Kaltbauweise.
Dies bedeutet, da� auch das Eisenjoch der Spule, welches bei HERA aus einem einzigen
Aluminiumteil besteht, mit fl�ssigem Helium auf 4 K abgek�hlt wird.
F�r die vergleichsweise winzigen Feldst�rken in der Elektronenr�hre gen�gen
normalleitende Magneten, jedoch m�ssen dort die Verluste durch Synchrotronstrahlung von
einem entsprechend leistungsf�higen HF-Sendesystem ausgeglichen werden.
In diesem Ring werden die Protonen von der Energie von 40 GeV bei der Injektion auf 820
GeV beschleunigt. Dies geschieht durch ein Hochfrequenz-System mit 52,03 MHz f�r die
Injektion, die bei Erreichen der Endenergie auf 208,19 MHz erh�ht werden. Diese 208
MHz-Cavities sind, von kleineren Modifikationen abgesehen, Kopien des 200 MHz-Systemes
beim CERN-Ring SPS [EX90].
Die Ausma�e der Protonenbunches betragen etwa 440 x 0,3 x 0,095 mm, der Energieverlust
eines Teilchen betr�gt nur 1,4 x 10E-10 MeV pro Umlauf. Um allerdings die Protonen auch
bei Energien von 820 GeV noch auf eine Kreisbahn von 1 km Radius zu zwingen, ben�tigt man
sehr starke Magnete mit einer Feldst�rke von 4,68 T, welche nur durch Supraleitung
erreicht werden kann. Insgesamt wurden 1833 Magneten in den Ring eingebaut, davon 422
supraleitende Ablenk-Dipole, 224 supraleitende Quadrupole f�r die Fokussierung und
zahlreiche Korrekturspulen. Mit den HERA-Magneten k�nnen auch Feldst�rken von 6 Tesla
noch erreicht werden, womit sp�ter einmal Energien von 1000 GeV m�glich sind [GE92]. Die
Spulen solcher Magnete m�ssen extrem stabil gebaut sein, um den absto�enden Kr�ften von
mehr als 1 Mio. N/m standzuhalten.
Eine gro�e Gefahr bei supraleitenden Magneten ist ein sogenannter "Quench", das
�bergehen vom supraleitenden in den normalleitenden Zustand, was durch zu hohe
Stromst�rken, Materialfehler oder Erw�rmung verursacht wird. Da dann pl�tzlich ein
Widerstand auftritt, werden die Spulen extrem hei� und bringen das Helium zum Verdampfen,
wodurch die Gefahr des Explodierens der Magnete nicht unbetr�chtlich ist. Die
Spulenwicklungen m�ssen aus diesem Grund eine Genauigkeit von 0,02 mm aufweisen. Tritt
ein Quench auf, mu� innerhalb einer Sekunde die Stromzufuhr abgeschaltet werden.
Bei 4,7 K betr�gt der maximale Strom, bei dem es noch nicht zu einem Quench kommt, f�r
die HERA-Dipole 6440 A und f�r die Quadrupole 7380 A, was deutlich �ber dem Designwert
von 5027 A liegt [EX90].
In den Elektronenring werden die Positronen (bis 1994 Elektronen) mit einer Energie von 14 GeV eingeschossen, die dann mit supraleitenden Cavities auf 30 GeV erh�ht wird. Ein Positronenbunch hat Ausma�e von 25 x 0,264 x 0,017 mm. Als Ablenkmagnete werden in diesem Ring 456 normalleitende Dipole verwendet, da nur ein Magnetfeld von 0,19 Tesla n�tig ist, um die leichten Positronen abzulenken. Insgesamt wurden in den Elektronenring 2009 Magnete eingebaut, au�erdem zur Beschleunigung 82 normalleitende und 16 supraleitende Cavities (HF-Beschleunigungsstrecken). Ohne Supraleitung w�re nur eine Energie von 26 GeV m�glich, da der Energieverlust durch Synchrotronstrahlung pro Umlauf bereits 70,38 MeV betr�gt, die nur durch supraleitende Cavities wieder zugef�hrt werden k�nnen. Supraleitende Cavities k�nnen n�mlich mit einer Beschleunigungsspannung von 8 MV (normalleitende mit 1 MV) arbeiten, wodurch sich die gesamte Beschleunigungsspannung im Elektronenrohr auf 241 MV erh�ht. Daraus ergibt sich eine gesamte Beschleunigungsleistung von 13 MW.
Entlang des HERA-Ringes befinden sich 4 riesige Hallen mit Ausma�en von 43 x 25 m. In drei von ihnen finden Wechselwirkungen zwischen den Positronen und den Protonen statt, bisher sind in den Hallen Nord und S�d die beiden Detektoren ZEUS und H1 aufgebaut, in der Halle Ost l�uft seit 1995 das fixed-target Experiment HERMES. Da f�r eine Entdeckung immer die Best�tigung einer weiteren unabh�ngigen Forschergruppe n�tig ist, und HERA der einzige e-p+Collider der Welt ist, sind H1 und ZEUS v�llig voneinander unabh�ngig und verschieden. W�hrend ZEUS, mit einer Masse von 3600 t f�r die Messung der Jets bei der tiefinelastischen Lepton-Nukleon-Streuung ausgelegt ist, mi�t H1 die R�cksto�-Leptonen bei der Streuung. Die beiden Detektoren kosteten jeweils etwa 100 Mio. DM und besitzen eine supraleitende Spule im Zentrum, die die Bahn der geladenen Teilchen f�r eine leichtere Teilchenidentifikation kr�mmt. Detektoren sind elektronisch ziemlich komplizierte Bauten, was deutlich wird durch die Tatsache, da� bei H1 270.000 Leitungen stets abgefragt werden, und pro Sekunde etwa 10 Mio. Wechselwirkungen im Detektorinneren stattfinden. Die Aufl�sung der HERA-Detektoren betr�gt etwa 0,1 mm. N�here Informationen zu H1 und ZEUS finden sich in 3.6.1 und 3.6.2.
F�r die letzte verf�gbare Halle von HERA, die Halle West, befindet sich das
Experiment HERA-B in Bau, bei dem die Verletzung der Ladungs- und Parit�tssymmetrie an
B-Mesonen erforscht werden soll. Bei HERA-B wird der Protonenstrahl durch einen feinen
Draht geleitet, wobei B-Mesonen erzeugt werden, die die CP-Symmetrie verletzen [EU94].
Da vom Planungsbeginn eines neuen Beschleunigers bis zu dessen
Fertigstellung im allgemeinen 10-15 Jahre vergehen, mu� bereits jetzt an die Planung
neuer gro�er Experimentieranlagen gedacht werden. Da aufgrund der hohen
Synchrotronstrahlungsverluste die obere Energiegrenze bei Elektron-Speicherringen erreicht
ist, beschlo� man nach eingehender Diskussion, als n�chstes Projekt bei DESY einen
300-500 GeV Elektronen-Linearbeschleuniger mit zwei frontal kollidierenden
Teilchenstrahlen zu realisieren (Abbildung 23). Dieser Beschleuniger mu� aufgrund der
Tatsache, da� sich die Strahlen nur ein einziges Mal durchdringen, eine dementsprechend
hohe Luminosit�t von etwa 10E+33 1/cm�s besitzen. F�r die Beschleunigung befinden sich
zur Zeit zwei Verfahren im Test. Zum einen ist dies das TESLA-Projekt, welches versucht,
die Grundlagen f�r einen supraleitenden Niederfrequenz(1300 MHz)-Linearbeschleuniger zu
schaffen. Bei SBLC (S-Band Linear Collider), dem zweiten Programm im Test, versucht man
einen herk�mmlichen S-Band Beschleuniger, eine Art, welche schon seit mehr als 45 Jahren
gebaut wird, so zu verbessern, da� damit der neue Beschleuniger ausgef�hrt werden kann.
(nach [EU94, DE95])
Beschleunigt werden elektrisch geladene Teilchen durch elektrische Felder. Da der
Beschleunigung mit statischen Feldern geringe Energiegrenzen gesetzt sind, da �u�erst
hohe Spannungen n�tig sind, werden in der modernen Beschleunigertechnik hochfrequente
magnetische Felder eingesetzt, von denen die Teilchen "angeschoben" und damit
fast auf Lichtgeschwindigkeit - die Geschwindigkeit, mit der sich elektromagnetische
Felder ausbreiten - beschleunigt werden. Ein Qualit�tsmerkmal eines Beschleunigers ist
die maximal erreichbare Teilchenenergie. Bei HERA besitzen die Protonen nach einigen
Minuten in den Vorbeschleunigern und danach im Speicherring eine Geschwindigkeit von
99,999934686 % der Lichtgeschwindigkeit und eine Energie von 820 GeV, die Elektronen eine
Geschwindigkeit von 99,999999985% c bzw. 30 GeV.
Moderne Beschleuniger, sogenannte Synchrotrone und Speicherringe, arbeiten au�erdem als
Mehrfachbeschleuniger, was bedeutet, da� die zu beschleunigenden Teilchen die
Beschleunigungsstrecken mehrfach passieren. In Ringbeschleunigern werden die
Beschleunigungsstrecken viele tausendmal pro Sekunde durchlaufen.
Die Informationen zu diesem Kapitel stammen aus [BE91, GE94, JA92, LE90, LO92, PE90, WA91]
Linearbeschleuniger, kurz LINACs, bestehen aus einer Folge von entgegengesetzt gepolten
Beschleunigungselementen (s. Abbildung 24), die mit steigender Teilchengeschwindigkeit
immer l�nger werden m�ssen und hochfrequent umgepolt werden. Die Teilchen werden wegen
der Beschleunigung mit Hochfrequenz-Sender�hren immer nur in Paketen beschleunigt, obwohl
die Teilchenquelle kontinuierlich Teilchen produziert. Ein Protonen-LINAC erreicht mit
typischen Feldst�rken von einigen MV pro Meter Beschleunigungsstrecke Energien bis 50
MeV. Bei Elektronen-LINACs sind nach dem ersten Beschleunigungsmeter die Driftr�hren alle
etwa gleich lang, da die Elektronen sehr schnell ann�hernd Lichtgeschwindigkeit
erreichen. Die Resonatoren eines e--LINACs werden von Klystronr�hren gespeist, die
Elektronen "reiten" dann auf der Flanke einer elektromagnetischen Welle.
Das Synchrotron ist ein Ringbeschleuniger, in dem die Teilchen mittels Wechselspannung
beschleunigt werden. Wie in Abbildung 25 angedeutet, wechseln Beschleunigungsstrecken ab
mit Strecken, die mit Ablenk-Dipolmagneten besetzt sind, welche die umlaufenden Teilchen
auf eine "Kreisbahn" lenken. Das Magnetfeld der Ablenkmagnete mu� dabei
synchron mit dem Teilchenimpuls erh�ht werden, damit der Strahl immer dieselbe Kreisbahn
durchl�uft. Fr�he Synchrotrone hatten einen Umfang von einigen Hundert Metern, der
gr��te Speicherring der Welt der LEP bei CERN in Genf, besitzt bereits einen Umfang von
27 km.
F�r Protonen mit dem Impuls p (in GeV/c) gilt das Verh�ltnis zur Feldst�rke B der
Ablenkmagnete und dem Bahnradius
in m [PE92, LO92]:
Aus dieser Formel ersieht man sehr gut, da� sich das ben�tigte Magnetfeld linear zum
Impuls verh�lt. Die maximal erreichbare Energie mit einem Synchrotron h�ngt entscheidend
von dessen Umfang ab. Allerdings ist sie begrenzt und zwar bei Elektronen-Synchrotronen
durch die Synchrotronstrahlung, bei Protonen-Synchrotronen durch das maximal erreichbare
Magnetfeld der Dipol-Ablenk-Magneten. Da normalleitende Elektromagnete einen sehr hohen
Stromverbrauch, jedoch nicht gen�gend starke Felder besitzen, setzt man heutzutage
h�ufig supraleitende Magneten ein, die einen bei weitem geringeren Stromverbrauch haben
und Magnetfeldst�rken von bis zu 6 Tesla bei HERA erm�glichen.
Nach dem selben Prinzip, aber wesentlich effizienter als ein Synchrotron arbeitet ein
Speicherring-Collider, wo zwei Teilchenstrahlen gegenl�ufig zirkulieren. Diese sind dann
so synchronisiert, da� die Wechselwirkungen genau in den aufgestellten Detektoren
stattfinden. Der Vorteil solcher Collider ist die weitaus h�here Schwerpunktsenergie W
bei Elektron-Proton-St��en von [JA92]
Sind jedoch die Teilchen verschieden, so ben�tigt man f�r jede Teilchenart eine
eigene R�hre mit eigenen Magneten und eigenem Beschleunigungssystem, wobei die beiden
R�hren sich nur in den Wechselwirkungspunkten kreuzen. Aus diesem Grund besitzt auch
HERA, wo Elektronen und Protonen kollidieren, eine eigene Elektronen- und eine
Protonenr�hre. Ein weiterer Nachteil von Collidern ist die geringe Sto�rate, die mit der
Luminosit�t in Verbindung steht.
Da die Stabilit�t des Teilchenstrahles �u�erst wichtig ist, weil er nicht an der
R�hrenwand "kratzen" darf, halten Korrekturspulen ihn auf seiner exakten Bahn,
w�hrend Quadrupole und Sextupole f�r eine scharfe Fokussierung sorgen, die eine h�here
Luminosit�t nach sich zieht.
Die Luminosit�t (L in der Einheit 1/cm�s oder 1/pb, wobei 1/pb = 10E+26 1/cm�s) ist
eine sehr wichtige Kenngr��e eines Speicherringes. Sie gibt gewisserma�en die
Teilchendichte am Wechselwirkungspunkt an. Zwischen der Reaktionsrate R, dem
Wirkungsquerschnitt
f�r die
jeweilige Reaktion und der Luminosit�t L besteht folgender Zusammenhang [BE91, PE90,
LO92]:
Die sogenannte integrierte Luminosit�t ist die Gesamtsumme der gespeicherten Luminosit�t
[CE95].
Bei H1 wurde gegen Ende des Jahres 1994 bereits eine Luminosit�t von bis zu 8,5�10E+4
1/pb erreicht, bei ZEUS betrug dieser Wert mit 4,7�10E-30 1/cm�s bereits etwa ein
Drittel der Soll-Luminosit�t von HERA [DE95].
Durch Hochfrequenzen, welche in Hohlraumresonatoren oder Cavities an die Teilchen
weitergegeben werden, werden sowohl die Teilchen beschleunigt, als auch die einzelnen
Teilchenpakete verk�rzt. Die Sender�hren, Klystronr�hren genannt, senden
elektromagnetische Wellen von etwa 50 bis 200 MHz aus, auf denen die Teilchen wie Surfer
auf Wasserwellen "reiten" und beschleunigt werden. Wie in Abbildung 26
ersichtlich, erhalten Teilchen, die hinter der Sollbahn zur�ckbleiben, vermehrt Energie,
wogegen zu schnelle Teilchen weniger Energie als Teilchen auf der Sollbahn erhalten.
Dadurch gleichen sich alle Teilchen in etwa an die Sollbahn an, und der Teilchenbunch wird
auf etwa 2,5 cm verk�rzt.
Die Beschleunigung durch Hochfrequenzen wird haupts�chlich in Elektronenr�hren
eingesetzt, um die Verlust durch Synchrotronstrahlung wettzumachen. Im Elektronenring von
HERA wurden 8 Helium-Kryostate (K�ltebeh�lter) mit jeweils 2 supraleitenden
Niob-Cavities eingebaut, die eine Beschleunigungsspannung von 8 MV im Vergleich zu
normalleitenden Cavities mit 1 MV besitzen [GE92, EX90, DE90].
In einem Speicherring kreisen zahlreiche Teilchenpakete (Bunches) derselben geladenen
Teilchen. Da sich jedoch gleichnamige Ladungen absto�en, m�ssen die Teilchenstrahlen
geb�ndelt werden. Dies geschieht durch Quadrupol- bzw. Sextupolmagneten, welche vier bzw.
sechs magnetische Pole besitzen. Abbildung 27 zeigt einen Querschnitt durch einen
Quadrupolmagneten, welcher den Teilchenstrahl vertikal fokussiert (durch die Pfeile
angedeutet). Im Zentrum, wo der Teilchenstrahl durchtritt, ist das Feld null und nimmt
sehr stark zu, wenn man sich nur ein wenig vom Zentrum wegbewegt, wodurch die Teilchen
wieder auf ihre Sollbahn zur�ckgezwungen werden. Da solche Quadrupole jedoch immer nur
entweder horizontal oder vertikal fokussieren k�nnen, sind bei Synchrotronen und
Speicherringen jeweils horizontal und vertikal fokussierende Quadrupole hintereinander
angeordnet. "Wie man sich an einem Lichtstrahl mit alternierenden Konkav- und
Konvexlinsen klar machen kann, bekommt man insgesamt eine Fokussierung in beiden
Richtungen." [PE90, S. 32]
In Synchrotronen ist die Stabilit�t der Teilchenbahn sehr wichtig, und nur sehr
geringe Abweichungen von der Sollbahn sind erlaubt. Um die Teilchen nun auf ihre exakte
Bahn zu zwingen, werden Dipolmagnete verwendet, die wegen die hohen Feldst�rken bei
Protonenr�hren meist supraleitend ausgef�hrt sind. Diese Dipole erzeugen ein Magnetfeld,
das die (positiv oder negativ geladenen) Teilchen durch die Lorentzkraft
auf eine Kreisbahn zwingt. Abbildung 28 zeigt einen typischen Ablenk-Dipol eines
Synchrotrones in Grund-, Auf- und Kreuzri�.
Detektoren sind oft sehr volumin�se Apparaturen, mit denen die Endprodukte einer
Wechselwirkung nachgewiesen, identifiziert und ausgemessen werden. Aufgrund der hohen
Reaktionsraten bei scharfer B�ndelung m�ssen die Signale sehr schnell ausgewertet
werden. Dies geschieht durch das sogenannte Pipelining: Die Signale durchwandern eine
kurze elektronische Verz�gerungsstrecke, w�hrend eine schnelle Elektronik irrelevante
Ereignisse bereits verwirft. Die 5 bis 10 bei H1 und ZEUS ausgew�hlten aus den bis zu 10
Millionen anfallenden Ereignissen pro Minute werden schlie�lich auf Magnetband
gespeichert und erst sp�ter n�her ausgewertet [GE92, GE94].
Der Wechselwirkungspunkt wird wie eine Zwiebel von mehreren Lagen von Nachweisapparaturen
umgeben, welche die von einem Magneten gekr�mmten Teilchenspuren genau ermitteln. Folgend
sei der grobe Aufbau von Detektoren kurz wiedergegeben, n�here Erl�uterungen zu den
einzelnen Komponenten finden sich weiter unten: Direkt um das Strahlrohr, in dem die
Prozesse ablaufen, sind meist Driftkammern angeordnet, in welchen mit Hilfe der Drift
ionisierter Atome zu d�nnen Dr�hten die Teilchenspuren nachgewiesen werden. Daran
schlie�en elektromagnetische und dann hadronische Kalorimeter an, welche alle Teilchen
au�er Myonen und Neutrinos absorbieren und so deren Energie messen. Die Myonen, welche
noch durch die Kalorimeter gelangen, werden schlie�lich durch einen riesigen Magneten,
den Myonen-Toroiden, abgelenkt und ihre Spur mit Myon-Kammern verfolgt. [GE94]
An die Detektoren bei HERA werden zahlreiche Anforderungen gestellt: Neben einer
m�glichst vollst�ndigen Erfassung der Teilchen ist eine exakte Trennung von
R�cksto�elektron und Hadronenjet gefordert. Au�erdem sollte die Energieaufl�sung so
gut wie m�glich sein, und auch hochenergetische Myonen noch sicher bestimmt werden
[RU93]. Um dies alles zu erreichen mu�ten die vorhandenen Nachweistechnologien verbessert
werden: Vor allem die Kalorimetrie wurde stark vorangetrieben.
Die Teilchen werden durch ihren Energieverlust und die Ionisation erfa�t, aber auch durch
Kalorimetrie, wobei auch elektrisch neutrale Teilchen gemessen werden k�nnen und der
Me�fehler bei 100 GeV-Teilchen nur wenige % betr�gt [DE92].
Der Gro�teil der Beschreibungen von Detektorkomponenten wurde aus [GR93] gewonnen,
zus�tzlich wurden [BE91, WA91, PE90, JA92, F�93, GE94, SC93, SC93a] beigezogen.
Der Detektor ZEUS, aufgestellt in der Halle S�d von HERA, ist mit Ausma�en von 12 x
10 x 19 m und einer Masse von 3600 t etwas gr��er als H1, sein Aufbau ist ebenfalls
asymmetrisch. Die Hauptaufgabe von ZEUS ist die genaue Vermessung der bei der Reaktion
erzeugten Jets.
Um eine
Driftkammer als Vertexdetektor (VXD) mit einer Aufl�sung von 32-70
m ist eine weitere Driftkammer als
zentraler Spurdetektor (CTD) angeordnet. F�r den Vorw�rts-(FTD) und R�ckw�rtsbereich
(RTD) werden ebene Driftkammern eingesetzt. Die supraleitende Spule (SOLENOID) aus einer
Niob-Titan-Legierung, welche sich zwischen den zentralen Spurkammern und den Kalorimetern
befindet, erzeugt ein Magnetfeld von 1,8 Tesla, das die geladenen Teilchen f�r die
Impulsbestimmung ablenkt. Das hochaufl�sende Uran-Szintillator-Kalorimeter bildet
sozusagen das Herz von ZEUS. Es umschlie�t den gesamten inneren Detektor und mi�t so
nahezu alle entstandenen Teilchen mit hervorragender Winkelaufl�sung von weniger als 10
mrad und einer Energiegenauigkeit von etwa 1%. Das Kalorimeter l��t sich wieder in ein
zentrales, ein Vorw�rts-(FCAL) und ein R�ckw�rtskalorimeter (RCAL) einteilen. Die
Spurkammern und die Kalorimeter werden vom Eisenjoch (YOKE) umschlossen, welches neben der
R�ckf�hrung des magnetischen Flusses auch die �brigen Detektorkomponenten st�tzt. Die
Energie, die nicht vom Uran-Kalorimeter absorbiert wird, wird schlie�lich im
Backing-Kalorimeter (BAC) gemessen, welches in das Eisenjoch eingebaut ist. Das
Myonennachweissystem besteht aus dem Vorw�rts-Myonspektrometer (FMYON), den
Zentral-(BMYON) und den R�ckw�rts-Myonen-Kammern, wobei die Myonen durch den Vergleich
ihrer Spurkr�mmung vor und nach dem Eisenjoch identifiziert werden. Die Messung der
Luminosit�t erfolgt durch einen Elektronendetektor, 33,4 m vor dem Wechselwirkungspunkt
positioniert, und einen Photonendetektor, welcher sich 102,9 m davor befindet.
Um Hintergrundereignisse unterdr�cken zu k�nnen, befindet sich in Protonenrichtung
gesehen etwa 7,5 m vor dem Detektor eine Eisenwand, die sogenannte Vetowand (VETOWALL),
welche mit Szintillatoren best�ckt ist. Untergrundteilchen treffen dort etwa 30 ns vor
den Teilchen aus der Wechselwirkung ein und k�nnen so unterdr�ckt werden.
Ein Vorteil des ZEUS-Detektors gegen�ber H1 ist, da� bei ZEUS die Spule direkt im
Detektorinneren lokalisiert ist, was zu einer besseren Impulsaufl�sung f�hrt.
(aus [INZE, DE95, F�93])
Der Detektor H1, welcher in der Halle Nord bei HERA positioniert ist, hat die Aufgabe,
die Reaktionen der tiefinelastischen Elektron-Proton-Streuung und insbesondere die
R�cksto�-Elektronen genau zu vermessen, wobei der kinematische Bereich optimal gen�tzt
werden soll. Seine Ma�e betragen 12 x 15 x 10 m�, insgesamt wiegt er 2800 Tonnen. Das
Experiment ist in Vorw�rtsrichtung (=Protonenrichtung) aufwendiger best�ckt, da der
Gesamtimpuls bei einer Reaktion in diese Richtung weist.
Bei der zentralen Spurkammer ist eine grobe Unterteilung in 3 Bereiche m�glich: die
zentrale Jetkammer (2), mit welcher eine Ortsaufl�sung von 150-170
m normal zur Strahlachse und von 3 mm in
Richtung des Teilchenstrahles m�glich ist, das Vorw�rts-(3) und das
R�ckw�rtsspektrometer. Den Hauptteil des anschlie�enden, mit Fl�ssig-Argon gek�hlten
Kalorimeters bildet das elektromagnetische (4) und das hadronische (5) Kalorimeter,
vervollst�ndigt durch das rein elektronische R�ckw�rts-Kalorimeter (12), welches die
Aufgabe besitzt, R�cksto�-Elektronen zu messen, und dem Vorw�rts-Plug-Kalorimeter (13).
Der elektromagnetische Teil ist im Gegensatz zum Uran-Szintillator-Kalorimeter von ZEUS,
welches eine bessere Energieaufl�sung erlaubt, aus Blei, der hadronische Teil aus Eisen
ausgef�hrt. Teilchen, die das Kalorimeter durchdringen, werden schlie�lich im Eisenjoch
(10) nachgewiesen, welches als letzte Absorberschicht oder "Tail Catcher" wirkt.
Dieses Eisenjoch, mit Streamerr�hren und Myon-Kammern f�r die Myon-Detektion
instrumentiert, hat auch die Aufgabe, den magnetischen Flu� der Spule (6) r�ckzuf�hren.
Au�erdem ist der Myonen-Toroid (11) mit weiteren Myon-Kammern best�ckt. Ein Vorteil von
H1 gegen�ber ZEUS ist die bessere Abdeckung des Vorw�rts-Bereich. Die Luminosit�t wird
auf die selbe Art bestimmt wie bei ZEUS.
(aus [DESY, DE95, EX90, GE94, INH1, RU93, SC93, SC93a])
Teilchendetektoren basieren gro�teils auf dem Prinzip der Sto�-Ionisation: Fliegt ein
geladenes Teilchen durch eine Anzahl von Atomen hindurch, so rei�t es auf seinem Flug hin
und wieder ein Elektron aus dem Atomverband heraus. Solche ionisierten Atome lassen sich
dann leicht erkennen.
Da Detektoren nicht so konzipiert werden k�nnen, da� sie jede Gr��e mit h�chster
Genauigkeit messen, gibt es verschiedene Arten von Detektorkomponenten. Die einen sind vor
allem f�r genaue Orts-, andere f�r genaue Impuls-, wiederum andere f�r genaue
Zeitbestimmung ausgelegt.
"Die Qualit�t eines Detektors wird durch das Aufl�sungsverm�gen f�r Zeit, Ort,
Energie und andere Teilchenparameter charakterisiert. Ortsaufl�sungen von 10-20
m sind in Silizium-Streifenz�hlern und
kleinen Driftkammern erreichbar, Zeitaufl�sungen im Subnanosekundenbereich kann man mit
planaren Funkenz�hlern erzielen, und Energieaufl�sungen im eV-Bereich sind mit
kryogenischen (bei extremer Tieftemperatur betriebenen) Kalorimetern erreichbar."
[GR93, S. 399]
Neben den Aufl�sungen ist aber auch das Ansprechverm�gen
von gro�er Wichtigkeit, das angibt, mit welcher
Wahrscheinlichkeit ein durchlaufendes Teilchen registriert wird.
Auf ihrem Weg durch das Z�hlgas im Detektor verlieren geladene Teilchen durch
Ionisation Energie. Der Energieverlust -dE/dx h�ngt ab von Ladung, Energie und
Geschwindigkeit des einfallenden Teilchens und von den Eigenschaften des
Absorbermaterials. Die Formel zur Ermittlung des Energieverlustes, genannt
Bethe-Bloch-Formel, lautet [GR93, KO94]:
Der direkt um das Vakuumrohr, wo die Wechselwirkungen stattfinden, gelegte
Vertexdetektor (vertex,-icis = lat. Scheitel) dient dazu, den Hauptwechselwirkungspunkt
und die Nebenwechselwirkungspunkte, die von Wechselwirkungen von Teilchen stammen, welche
erst bei der Teilchenkollision produziert wurden, m�glichst genau zu bestimmen. Zumeist
besteht er aus einer Driftkammer oder einem zweilagigen Silizium-Streifenz�hler, der
Ortsaufl�sungen von nur 10-20
m
erlaubt. In derartigen Silizium-Streifenz�hlern erzeugen die durchgehenden Teilchen
Elektron-Loch-Paare im Halbleitermaterial (Silizium o.�.), wobei die Elektronen abgesaugt
und gemessen werden. Streifenz�hler sind aus winzigen Auslesestreifen auf dem
Halbleitermaterial aufgebaut, die eine Raumdimension messen k�nnen. Wird noch eine zweite
Lage (orthodiagonal zur ersten) verwendet, erh�lt man eine 2-dimensionale Darstellung,
woraus man die genauen Wechselwirkungspunkte rekonstruieren kann.
Die zentrale Spurkammer ist das Kernst�ck der gro�en Detektoren. Sie befindet sich um den Vertexdetektor und dient dazu, den Impuls der Teilchen m�glichst genau zu bestimmen. Die Spurkammern bestehen meist aus Jet-Driftkammern (s. 3.6.7), Vieldraht-Proportionalkammern (s. 3.6.9) oder aus Zeit-Projektions-Kammern (Time Projection Chambers - TPCs, s. 3.6.8). In den Spurkammern wird au�er dem Impuls auch noch das Ionisationsverm�gen f�r die Teilchenidentifizierung gemessen.
Normale Driftkammern bestehen aus einer gro�en Anzahl von gespannten Dr�hten, an
denen Hochspannung angelegt ist. Wenn nun ein Teilchen durch den Detektor tritt, ionisiert
es das Gas in der Driftkammer, und die Ionen "driften" zum n�chstgelegenen
Draht. So mi�t man nicht nur den (ungef�hren) Durchtrittsort des Teilchens und die
Geschwindigkeit, sondern auch den genauen Impuls mit Hilfe des Energieverlustes im Gas. Da
die Masse m mit dem Impuls p �ber die Formel
verkn�pft ist, kann man nun, da man den Impuls kennt, die genaue Masse und damit die Art
des Teilchens bestimmen.
In Jet-Driftkammern, die haupts�chlich in den zentralen Spurkammern eingesetzt werden,
wird der Energieverlust durch Ionisation m�glichst genau gemessen, wof�r man eine
gr��ere Anzahl von Anodendr�hten ben�tigt. Abbildung 31 zeigt einen Querschnitt durch
ein Segment des JADE-Detektors, der vor der Inbetriebnahme von HERA bei PETRA stand. Die
Jet-Driftkammer dieses Detektors besteht aus 24 derartigen Segmenten, die jeweils in 4
Drift-Abschnitte � 16 Anodendr�hte unterteilt sind (wegen der �bersichtlichkeit sind in
der Abbildung nur 5 bzw. 6 Anodendr�hte dargestellt). Die feldformenden Kathodenstreifen
sind nur auf einer Seite des Segments angedeutet, befinden sich allerdings auf beiden
Seiten jedes Abschnittes.
Zeit-Projektions-Kammern sind verbesserte Versionen von zylindrischen Driftkammern. Bei
TPCs sind keine Dr�hte durch den Zylinder gespannt, er enth�lt au�er dem Z�hlgas und
der Elektrode in der Kammermitte keine weiteren Bauelemente und stellt so ein H�chstma�
an Minimalisierung dar. Eine Seitenansicht des prinzipiellen Aufbaus zeigt Abbildung 32.
Die vom geladenen Teilchen erzeugten Ionen driften im elektrischen Feld, das parallel zum
Zylinder orientiert ist, zu den Endplatten der Kammer. Dort kann eine zweidimensionale
Rekonstruktion (r,
) des Teilchenweges gemessen werden, aus der Driftzeit wird die dritte
Koordinate (z, parallel zum Zylinder) berechnet. Au�erdem wird aus den analogen Signalen
an den Elektroden an den Kammerenden der Energieverlust dE/dx berechnet und damit das
Teilchen identifiziert.
Eine Vieldraht-Proportionalkammer besteht aus
mehreren Lagen von unter Hochspannung stehenden Dr�hten, die normal und diagonal
zueinander angeordnet sind. Tritt nun ein Teilchen durch dieses "Drahtgitter"
hindurch, erh�lt es durch die Hochspannung gen�gend Energie, um eine Teilchenlawine
durch Ionisation auszul�sen, die haupts�chlich an den Anodendr�hten Signale hervorruft,
mit deren Hilfe der genaue Durchgangspunkt berechnet werden kann. Abbildung 33 zeigt solch
ein Drahtgitter, durch das zwei Teilchen getreten sind.
Die meisten Kammern nutzen nicht die M�glichkeit, die analogen Informationen der Dr�hte
zu verarbeiten, sondern es werden meist Schwellen f�r ankommende Signale gesetzt. In
diesem Betriebsmodus wird die Vieldraht-Proportionalkammer lediglich als Ortsdetektor
eingesetzt.
Um die zentrale Spurkammer befinden sich zumeist die Flugzeitz�hler. Ein Flugzeitz�hler
besteht aus zwei hintereinandergeschalteten Szintillatoren (Abbildung 34), die bei einem
Teilchendurchgang je einen Lichtblitz erzeugen. Die Flugzeit f�r die Strecke L ist ein
Ma� f�r die Geschwindigkeit v und daraus folgend bei bekannter Teilchenmasse m auch f�r
die kinetische Energie Ek des Teilchens [MU88]:
F�r hochrelativistische Teilchen geht die Flugzeitdifferenz jedoch gegen null. Damit ist
die Anwendung der Flugzeitmessung auf solche Teilchen beschr�nkt, deren
Geschwindigkeit
�c sich noch
me�bar von c unterscheidet.
Kalorimeter, welche meist die zentrale Spurkammer und die Flugzeitz�hler in vollem
Umfang umgeben, dienen dazu, die gesamte Energie eines Teilchens zu messen und sie auch zu
absorbieren. Lediglich Myonen und Neutrinos k�nnen nicht nachgewiesen werden, da diese
Teilchen mit dem Kalorimetermaterial (meist Uran oder Blei, mit fl�ssigem Argon gek�hlt)
nur �u�erst selten in Wechselwirkung treten. Man mu� zwischen zwei verschiedenen Arten
von Kalorimetern unterscheiden, den Hadronenkalorimetern und den Elektronenkalorimetern,
welche einen etwas unterschiedlichen Aufbau besitzen.
Um einen Teilchendurchgang zu identifizieren, legt man verschiedene Lagen von Metall
�bereinander, dazwischen werden Szintillationsz�hler, Draht- oder Ionisationskammern
eingebaut. Tritt ein Teilchen in das Kalorimeter ein, l�st es eine Teilchenkaskade aus
Elektron-Positron-Paaren und Bremsstrahlungsphotonen aus, sie sich jedoch verl�uft, wenn
die Energie der Teilchens zu gering wird, um ein Bremsstrahlungsphoton abzustrahlen
[GR93]:
In einer Tiefe dmax erreicht die Lawine ihr Maximum [GR93, BE91]:
In Abbildung 35 ist dieser Proze� skizziert. Man sieht auf dieser Abbildung, wie sich die
Energie auf die einzelnen Elektronen, die aus dem Atom herausgeschlagen wurden, aufteilt.
Abbildung 36 stellt das Messergebnis eines Teilchendurchtrittes durch das Kalorimeter dar.
Sehr sch�n zu sehen ist hier der plattenf�rmige Aufbau des Kalorimeters.
Ein Me�fehler in Kalorimetern wird dadurch hervorgerufen, da� h�ufig Pionen entstehen,
die bald in ein Photonenpaar zerfallen. Fliegt nun ein solches Photon an einem Atomkern
vorbei, kann sich ein Elektron-Positron-Paar bilden, das wiederum eine Lawine aus
Photonen, Elektronen und Positronen ausl�st. Diese "elektromagnetischen
Schauer" verursachen eine etwas h�here Ionisation, als sie durch die urspr�nglichen
Teilchen verursacht wurde.
Da Myonen nur wenig mit Materie wechselwirken und deshalb die Kalorimeter ungehindert
passieren, benutzt man Myon-Kammern, um diese Teilchen aufzusp�ren. Sie sind aus mehreren
Lagen von Proportionalz�hlrohren aufgebaut, in denen ein elektromagnetisches Feld
aufgebaut ist, welches die Energie des einfallenden Teilchens vergr��ert. Dadurch baut
sich ab der Ionisationsenergie des Gases eine Lawine auf, deren St�rke mit einem
zentralen Draht gemessen wird.
Bei ZEUS und H1 an HERA ist an einem Ende der Apparatur noch ein riesiger magnetisierter
Eisenblock, der Myonentoroid, aufgestellt, welcher die Bahn der Myonen leicht ablenkt. Mit
riesigen Myonenkammern vor und hinter dem Toroiden wird nun die Ablenkung gemessen, aus
der die Energie, vor allem aber das Vorzeichen der elektrischen Ladung bestimmt werden
kann.
Kryostate sind isolierende Tieftemperaturbeh�lter (eine Art
"Thermosflasche"), in denen sich supraleitende Spulen, aber auch kryogenische
Kalorimeter (z.B. Fl�ssig-Argon-Kalorimeter bei H1 und ZEUS) befinden.
Die supraleitende Spule, die sich im Kryostat befindet, erzeugt in einem Detektor ein
Magnetfeld, in dem positiv und negativ geladene Teilchen in unterschiedliche Richtungen
abgelenkt werden. Aus der Richtung der Ablenkung kann man auf das Vorzeichen der
elektrischen Ladung, aus der St�rke der Ablenkung auf die Masse des Teilchens schlie�en.
Das Eisenjoch, meist um alle inneren Detektorkomponenten gelegt, dient dazu, alle Teilchen au�er den Myonen und den Neutrinos, die nur sehr selten mit Materie wechselwirken, abzubremsen und damit auszusieben. Es ist meist mit vielen kleinen Apparaturen wie Streamerkammern o.�. best�ckt, um alle Teilchen genauestens zu vermessen. Au�erdem dient das Eisenjoch dazu, den magnetischen Flu� der Spule r�ckzuf�hren. Au�erhalb des Eisenjochs befinden sich noch Myon-Detektoren.
Kompensationsmagneten werden zur Fokussierung des Teilchenstrahles vor dem Wechselwirkungspunkt eingesetzt. Zumeist werden Quadrupole oder Sextupole verwendet.
Bei ZEUS und H1 an HERA besitzt jede der 14 Detektorkomponenten ihren eigenen Rechner
(meist VAX,
VAX oder Silicon
Graphics Arbeitsstationen), der die Auslese der Elektronik und die Funktion der jeweiligen
Komponente steuert. Die Daten werden dann in den Ereignisbauer geschickt, der alle Daten
desselben Ereignisses zusammenfa�t und die sortierten Ergebnisse an einen Prozessor in
der Prozessorfarm weitergibt.
Die Rekonstruktion des Ereignisses findet im IBM-Gro�rechner des Rechenzentrums bzw. in
einer daran angeschlossenen Prozessorfarm statt, die Auswertung der Ereignisse geschieht
auf dem IBM-Rechner und anderen schnellen Arbeitsstationen.[F�93]
Damit die Teilchen in den Beschleunigerringen nicht andauernd mit Restgasmolek�len
kollidieren, m�ssen sie in einer R�hre mit Ultra-Hoch-Vakuum kreisen. Bei HERA ist diese
Vakuumr�hre aus Kupfer gebaut, nicht aus Aluminium wie noch bei PETRA. Dadurch konnte die
H�he der R�hre um 20 Prozent auf 4,8 cm verringert werden, was die Magnetkosten sehr
stark senkte. Abbildung 37 zeigt den Querschnitt durch das Vakuumrohr von HERA. Die
Ionengetterpumpen befinden sich an der einen Seite der R�hre, w�hrend die andere f�r
die K�hlung der R�hre ben�tigt wird.
Besonders langwierig gestaltet sich die Lecksuche an einer
Ultrahoch-Vakuumr�hre: Man bespr�ht die R�hre au�en an einigen Stellen mit
suprafluidem Helium, welches selbst kleine Undichtheiten zu durchdringen vermag. Nun pumpt
man alles Gas aus der R�hre (keinesfalls mit den besseren Pumpen, die man dabei nur
verschmutzen w�rde) und analysiert es. Findet man darin Spuren von Helium, dann hat man
die Undichtheit in etwa lokalisiert.
Bei Normaldruck befinden sich rund 27 Trillionen Gasmolek�le in 1 cm�. Zur Erzeugung von
Ultra-Hoch-Vakuum k�nnen zu Beginn nur die konventionellen Rotations- oder
Drehschieberpumpen und danach Turbomolekularpumpen, welche die Molek�le einfach nach
au�en blasen, angewendet werden, womit ein Druck von 1/100 mbar (10 Bio. Molek�le/cm�)
bzw. 10E-5 mbar (10 Mrd. Molek�le/cm�) erreicht wird. Danach kann man mit
Ionengetterpumpen die Anzahl auf etwa 100 Mio. Molek�le/cm� herabsetzen. Nur
ausnahmsweise ist es noch notwendig, danach Titan-Sublimationspumpen einzusetzen, da man
die Restgase meist ausfriert. Dabei wird einfach die Vakuumr�hre bis nahe an den
absoluten Nullpunkt abgek�hlt (bei HERA mit Fl�ssig-Helium konstant auf etwa -269�C
bzw. 4,7 K), wobei die Restgasmolek�le an den R�hrenw�nden festfrieren [BESU, WA91].
Von Zeit zu Zeit m�ssen diese Bel�ge jedoch aufgetaut und abgesaugt werden.
"Kratzt" einmal der Teilchenstrahl in der Vakuumr�hre an deren W�nden, so
erw�rmen sich diese ebenfalls und geben sehr viele Molek�le ab.
Bei normalem Betrieb befinden sich in der Elektronenr�hre nur noch etwa 100.000
Gasmolek�le/cm� (10E-10 mbar), was dem Druck auf der Nachtseite des Mondes entspricht,
in der Protonenr�hre ist der Druck gar nicht mehr me�bar (<10E-13 mbar). (aus [WA91])
Das
Prinzip einer Drehschieberpumpe findet sich schon auf Zeichnungen von Agostino Ramelli aus
dem Jahr 1585 als Wasserpumpe. Mit "hochgez�chteten" Exemplaren davon wird etwa
1/100000 des atmosph�rischen Druckes, also etwa 1/100 mbar (10 Bio. Gasmolek�le/cm�),
erreicht. Eine bessere Saugwirkung erreichen die Turbomolekularpumpen, die wie die
Schaufelr�der von Turbinen wirken: Sie blasen einfach die Molek�le nach au�en.
Abbildung 39 zeigt den Aufbau einer Drehschieberpumpe, Abbildung 38 den einer
Turbomolekularpumpe.
Im HERA-Ring befinden sich insgesamt 100 W�gelchen mit Rotations-Drehschieberpumpen und
Turbomolekularpumpen. [WA91]
In Abbildung 40 ist ein Querschnitt durch eine Ionengetterpumpe dargestellt. Deutlich zu
sehen sind hier die vielen R�hrchen, welche sich in einem Magnetfeld befinden. Bei
Pumpbetrieb einer Ionengetterpumpe wird zwischen den R�hrchen und den beiden Platten an
den Enden eine Spannung von etwa 7000 Volt angelegt. Dadurch werden die Ionen des
Restgases von den beiden Elektroden angezogen und bewegen sich aufgrund des Magnetfeldes
(Lorentzkraft) auf einer Spiralbahn dorthin. Schlie�lich bohren sie sich mit hoher
Geschwindigkeit in das Titanblech und legen dort frisches Titan frei, das die
Restgasmolek�le wie bei Titan-Sublimationspumpen binden kann. Dies nennt man auch
Titanzerst�ubung, weshalb diese Pumpenart manchmal Titan-Zerst�uber genannt wird. Mit
Ionengetterpumpen kann man ein Vakuum von bis zu 10E-10 mbar erzeugen. [WA91]
Das Metall Titan kann auf verschiedene Art Gasmolek�le binden
und wirkt so wie eine klebrige Fliegenfalle. F�r den Einsatz von Titan-Sublimationspumpen
mu� zuvor schon Hochvakuum vorhanden sein, damit die Pumpe nicht zu stark belastet und
damit abgen�tzt wird. Ein dicker Draht aus einer Titan-Molybd�n-Legierung wird im
Inneren eines Metallzylinders durch starken Strom eine Zeitlang auf Wei�glut erhitzt.
Dabei verdampft der Titananteil des Drahtes teilweise, was man auch
"Sublimation" nennt. Der Dampf schl�gt sich als extrem d�nner Film an den
k�lteren Oberfl�chen der �u�eren Metallzylinders nieder und hat genau die erw�nschten
Gasbindungseffekte. Nach einiger Zeit ist der Bindungseffekt ersch�pft, und es wird eine
neue Schicht aufgedampft. Abbildung 41 zeigt den schematischen Aufbau einer
Titan-Sublimationspumpe. [WA91]
Inhalt | Einleitung | theoretische Grundlagen | Das Institut DESY | Vergleich mit CERN | Anhang
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aus: Mit HERA und ZEUS durch die G�tterwelt der Teilchenphysik Moderne Beschleuniger- und Detektortechnik am Beispiel des Deutschen Elektronen-Synchrotrons |
Fachbereichsarbeit aus Physik, vorgelegt von: Reinhold Kainhofer, Februar 1996