R. Kainhofer, FBA über DESY DESY

Inhalt | Einleitung | theoretische Grundlagen | Das Institut DESY | Vergleich mit CERN | Anhang 


4 Vergleich zwischen DESY und CERN

4.1 Das Institut CERN nahe Genf

Als Europa noch unter den Folgen des 2. Weltkrieges litt, kam unter einigen Physikern der Gedanke auf, Europa durch ein gro�es Forschungsinstitut wieder an die wissenschaftliche Weltspitze zur�ckzuf�hren. Da ein solches Institut jedoch die Mittel eines einzelnen Staates weit �berstieg, unterzeichneten 1954 12 Staaten die �bereinkunft �ber den "Conseil Europ�en pour la Recherche Nucl�aire", kurz CERN, an der franz�sisch-schweizerischen Grenze (das Gel�nde erstreckt sich teilweise auf franz�sisches Staatsgebiet) unmittelbar im Westen der Stadt Genf. Erst vor kurzem (Herbst 1995) lie� CERN durch die erstmalige Erzeugung von 9 Anti-Wasserstoffatomen aufhorchen, die man produziert hatte, indem man einen Antiprotonenstrahl beim Niederenergie-Protonen-Ring LEAR durch Xenon leitete. Diese Antiatome konnten jedoch nur knappe 4�10E-8 Sekunden existieren [SN96a].
Die erste gro�e Maschine CERNs war das 1959 fertiggestellte 25 GeV-Protonensynchrotron (PS), welches noch heute als Vorbeschleuniger f�r die gro�en Ringe fungiert. 1971 ging der Protonen-Speicherring ISR in Betrieb, 1981 das Super-Protonen-Synchrotron SPS mit einem Umfang von 7 km und einer Energie von 450 GeV, wo man 1983/84 die W- und Z-Teilchen entdeckte, was C. Rubbia und S. van der Meer den Nobelpreis einbrachte, und au�erdem die elektroschwache Theorie untermauerte. Im SPS werden heute nicht nur Protonen, sondern auch Bleikerne, Elektronen und Positronen f�r den LEP und sp�ter LHC vorbeschleunigt.
Die Beschleuniger bei CERN Der mit einem Umfang von 26,7 km weltweit gr��te Speicherring ist der seit 1989 in Betrieb befindliche Elektron-Positron-Collider LEP (Large Electron-Positron-Collider) (s. Abbildung 42). Im Zuge des Umbaus zu LEP II wird die urspr�ngliche Energie von 2 x 46 GeV auf 2 x 90 GeV verdoppelt. Die 8 Bunches, die sich alle 11 ms durchdringen, f�hrten 1994 zu einer Luminosit�t von 2,4�10E31 1/cm�s, was bereits dem doppelten Designwert entsprach und eine integrierte Luminosit�t von 64,5 1/pb bedeutete. Mit den 4 bei LEP aufgestellten Experimenten (ALEPH, DELPHI, L3 und OPAL) kann in �u�erst pr�zisen Messungen (selbst die Einfahrt des TGV in den Genfer Bahnhof wirkt sich st�rend aus [SN95b]) das Standardmodell (s. 2.2.3) mit einer Genauigkeit im ‰-Bereich (‰) �berpr�ft werden. Es werden bei LEP haupts�chlich Z0-Zerf�lle untersucht, aber auch angeregte Zust�nde von B-Mesonen (z.B. B**). Zur Zeit konzentriert man sich auf die Suche nach den (momentan noch hypothetischen) Higgs-Bosonen, welche f�r die Masse von Teilchen verantwortlich sind, und auf die Bestimmung einer oberen Massegrenze (momentan etwa 24 MeV) f�r Tau-Neutrinos.
Alle Ergebnisse deuten darauf hin, da� bei etwa 1 TeV neue Teilchen, vor allem die Higgs-Bosonen und supersymmetrische Teilchen, auftreten. Aus diesem Grund befindet sich der LHC (Large Hadron-Collider) im LEP-Tunnel in Bau. Dieser LHC soll nach seiner Fertigstellung im Jahr 2004 als Proton-Proton-Collider mit einer Luminosit�t von 10E34 1/cm�s in einer ersten Phase Energien von bis zu 4,6 TeV pro Strahl, ab 2008 8 TeV pro Protonenstrahl erreichen und auch schwere Ionen wie Blei mit einer Gesamtenergie von 1250 TeV zur Kollision bringen, etwa 30 mal mehr Energie als der ebenfalls noch in Bau befindliche RHIC (Relativistic Heavy Ion Collider) im Brookhaven National Laboratory erreicht. Zus�tzlich soll LHC mit LEP gekoppelt werden k�nnen und so auch als Elektron-Proton-Speicherring mit einer Schwerpunktsenergie von 1,5 TeV dienen, f�nfmal mehr als mit HERA (320 GeV) erreicht wird. F�r solch gewaltige Energien werden auch dementsprechend hohe Magnetfelder von 8,36 Tesla f�r die Ablenkung der Protonen ben�tigt, die nur durch Supraleitung erreicht werden k�nnen. Bei LHC sind zur Zeit 3 Experimente geplant: ATLAS und CMS sollen mit �u�erst genauen Energiemessungen in einem gro�en Energiebereich zur Entdeckung der Higgs-Bosonen und supersymmetrischer Teilchen beitragen, bei ALICE, einem Detektor f�r Schwerionenkollisionen hofft man, sogenannte Glueballs, bestehend aus einem Quark-Gluon-Plasma, zu entdecken. Au�erdem soll die CP-Verletzung in B-Systemen untersucht werden [CE95]. Eine Besonderheit des LHC ist die Tatsache, da� die beiden Teilchenstrahlen zwar in verschiedenen Vakuumr�hren, jedoch aus Energie-Ersparnisgr�nden in den gleichen Magneten gef�hrt werden. Die Baukosten werden etwa 2.500 Mio. Schweizer Franken betragen, was - inflationsbereinigt - auch die Baukosten f�r LEP oder das SPS waren.

Zur Zeit bietet CERN als weltgr��tes Forschungszentrum fast der H�lfte aller Teilchenphysiker der Welt Forschungsm�glichkeiten, wobei auch Nichtmitgliedsstaaten Forschungen durchf�hren k�nnen. Die Ergebnisse werden in Fachzeitschriften oder Sitzungen ver�ffentlicht und sind immer frei zug�nglich. Bis heute hat sich die Zahl der Mitgliedsstaaten auf 19 erh�ht (Reihenfolge nach ihren Beitragszahlungen): Deutschland, Frankreich, Gro�britannien, Italien, Spanien, Niederlande, Schweiz, Belgien, �sterreich, Schweden, D�nemark, Norwegen, Portugal, Finnland, Griechenland, Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei. Deutschland tr�gt dabei etwa ein Viertel des Jahreshaushalts von 918,7 Mio. SfR.
Oberstes Entscheidungsgremium ist der CERN-Rat, in dem jedes Mitgliedsland durch einen Regierungsvertreter und einen wissenschaftlichen Delegierten vertreten ist. Die Entscheidungen werden mehrheitlich gef�llt, allerdings wird meist eine einstimmige Entscheidung gesucht. Unterst�tzt wird der Rat vom Wissenschafts- und vom Finanzausschu�. Der Generaldirektor, zur Zeit Christopher Llewllyn Smith, leitet das Labor und ist bevollm�chtigt, im Namen der Organisation zu handeln.
Das Europ�ische Komitee f�r zuk�nftige Beschleuniger (ECFA) wurde 1963 gegr�ndet und wirkt als unabh�ngiges Kommunikationsforum, in dem europ�ische Forschungsprogramme gepr�ft und bewertet werden. Auch der Bau von HERA wurde aufgrund der positiven Empfehlung des ECFA genehmigt.

Was CERN f�r die Physiker so interessant macht, ist das Vorhandensein aller verschiedenen Teilchenstrahlen. Protonen-, Antiprotonen- und Schwerionenstrahlen stehen auch heute noch im SPS zur Verf�gung, h�chstenergetische Elektronen- und Positronstrahlen bei LEP. Nach der Fertigstellung des LHC k�nnen bei CERN alle Arten von Teilchenkollisionen mit der jeweils weltweit h�chsten Energie durchgef�hrt werden.
(aus [CE93, CE95, CERN, SN95, SN95b])

4.2 Unterschiede und Gemeinsamkeiten von CERN und DESY

Der wesentlichste Unterschied zwischen DESY und CERN ist jener, da� DESY als nationales Forschungszentrum Deutschlands arbeitet, w�hrend CERN als internationale Kooperation von 19 europ�ischen L�ndern gegr�ndet wurde. So besitzt CERN mit 918,7 Mio. SFr ein weitaus h�heres Budget als es bei DESY mit 235 Mio. DM der Fall ist.
Im Gr��envergleich kann DESY nat�rlich nicht neben dem weltgr��ten Teilchenforschungsinstitut bestehen. W�hrend bei DESY etwa 700 Wissenschaftler arbeiten, betr�gt deren Zahl bei CERN ungef�hr 6000. Zur Zeit ist DESY allerdings eine wertvolle Erg�nzung zu CERN auf europ�ischen Boden, da mit HERA der bis zur Fertigstellung des LHC weltweit einzige Elektron-Proton-Speicherring der Welt zur Verf�gung steht.

Als Gemeinsamkeit sei zu erw�hnen, da� die beiden europ�ischen Hochenergieinstitute in ihren jeweiligen Forschungsbereichen weltweit f�hrend sind. CERN besitzt den LEP, welcher mit Energien von (zur Zeit) 2 x 70 GeV bei e-e+Kollisionen unerreicht ist, w�hrend HERA bei DESY den einzigen Elektron-Proton-Collider der Welt darstellt. Lediglich bei Protonenkollisionen ist das Tevatron am Fermilab (Chicago) der Ring mit der h�chsten Energie von 2 x 1 TeV. Diese Stellung wird es jedoch mit der Fertigstellung des LHC an CERN abgeben.
Au�erdem bieten sowohl DESY als auch CERN neben Ausbildungsst�tten f�r diverse technische Lehrberufe auch Studenten und Jungphysikern die M�glichkeit zu Forschungen.


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DESY aus: 
Mit HERA und ZEUS durch die G�tterwelt der Teilchenphysik 
Moderne Beschleuniger- und Detektortechnik am Beispiel 
des Deutschen Elektronen-Synchrotrons

Fachbereichsarbeit aus Physik, vorgelegt von: Reinhold Kainhofer, Februar 1996