Raumfahrt
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Raumfahrt

Ausschnitt aus unserem Vortrag

... Und jetzt zu unserem allerletzten Kapitel - der Raumfahrt. Ich habe anfangs schon erwähnt, daß die Raumfahrt in einem Astronomie-Vortrag nicht unbedingt vorkommen müßte, doch kann man sie in den großen Themenbereich Weltraum durchaus einordnen. Die Raumfahrt ist wohl eine der faszinierendsten Errungenschaften der Menschheit. Was hier geleistet wird, verlangt höchste Präzision und höchsten Einsatz von Mensch und Technik. Natürlich hat die Raumfahrt auch ihre Gegner, und nicht wenige. Ich persönlich bin klarerweise ein Befürworter, habe bücherweise Argumente FÜR die Raumfahrt zu Hause liegen... - aber man muß doch der Objektivität halber sagen, daß die Raumfahrt sehr umstritten ist. Warum? Nun, Raumfahrt ist erstens extrem teuer, dann sehr, sehr gefährlich, und manchmal kann ihr Nutzen nicht direkt erkannt werden (in seltenen Fällen überhaupt nicht...). Nichts desto trotz ist diese Leistung, diese ganze Herausforderung, eine beispiellose Erfolgsstory.

Doch der Reihe nach: Wie ist die Raumfahrt überhaupt entstanden? - Es gibt drei bedeutende Männer, die Anfang unseres Jahrhunderts ganz entscheidende Arbeiten geliefert haben - theoretische natürlich. Das war zum einen der Russe Konstantin Edoardowitsch Ziolkowski, zum zweiten der Amerikaner James Goddard und zum dritten ein gewisser Hermann Oberth. Oberth war Österreicher - zumindest seiner Abstammung nach. Geboren wurde er im rumänischen Siebenbürgen, und da dieses Gebiet damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte, kann man Oberth durchaus als Österreicher bezeichnen (dann haben wir wenigstens EINEN berühmten Raumfahrtpionier im Lande...!). Alle drei machten sich Gedanken über "Reisen in den Weltenraume", aber sie wurden zur damaligen Zeit als Phantasten abgetan. Ihre Arbeiten sind noch heute gültig und bedeutend...


Es war jedoch ein ganz anderer Mann, der der Raumfahrt in ihre Startstiefel verholfen hat, der die Entwicklung vorantrieb. Ein Mann, den wir heute nicht unbedingt mit Raumfahrt in Verbindung bringen würden: Adolf Hitler. Er gab nämlich im Jahre '39 die Order, eine Rakete zu entwickeln, weil er erkannt hatte, daß man damit weit "effektiver" sein könnte als z.B. mit Flugzeugen. Natürlich ist mir bewußt, daß Hitler keineswegs friedliche Absichten verfolgte... Trotzdem muß man ganz wertfrei sagen, daß er indirekt die Entwicklung der späteren Raumfahrt beschleunigte.

Der Mann, der die geforderte Rakete bauen sollte, war ein gewisser Wernher von Braun. Er und sein Ingenieursteam machten sich nahe der deutschen Stadt Peenemünde an die Arbeit - und schufen die allererste Großrakete der Welt: die V2 oder A4 (V2 stand für Vergeltungswaffe 2, A4 für Aggregat 4). Und das, was ihr hier auf dem Bild hinter mir seht, ist eben diese Großrakete. Na ja, "Großrakete" ist gut... Vierzehn Meter hoch war sie, die V2 - das ist im Vergleich zu dem, was vor ihr "auf dem Markt" war, natürlich gewaltig, im Vergleich zu dem, was nachher noch kommen sollte, winzig klein. Ursprünglich hatte die V2 Sprengstoff geladen, und vor allem in den letzten Kriegsjahren wurden etliche Raketen auf England abgefeuert. Als Hitlerdeutschland kapitulieren mußte, wurden alle verbleibenden Exemplare der V2 nach Amerika gekarrt - und nicht nur die, sondern auch gleich Wernher von Braun mit seinem Team. Ohne diese Leute hätten die Amerikaner sicherlich nicht DEN späteren Erfolg in der Raumfahrt gehabt, der sie zur führenden Nation werden ließ. All diese Hochtechnologie, das, was wir heute schon automatisch mit Amerika identifizieren, hat also entscheidende Wurzeln (auch) in Deutschland und Österreich, das muß einmal gesagt werden...!


Aus dem Jahre 1946 jetzt ein großer Sprung ins Jahr 1969: Mondlandung. Eines der wohl größten Abenteuer der Geschichte war Wirklichkeit geworden. Selbstverständlich hat auch dieses Apollo-Mondlandeprogramm seine Kritiker, vielleicht in gewisser Weise berechtigt. Aber über die rein finanzielle und wissenschaftlich Seite hinaus war Apollo eine Erweiterung des menschlichen Horizontes, wenn ich so sagen darf. Zum Erfolg der Mondlandung entscheidend beigetragen hat die "Mondrakete" Saturn V, ihr seht sie auf diesem Dia.

Saturn V war und ist die größte Rakete, die je gebaut wurde (nicht die stärkste, aber die größte...). Sie ist die zweite Meisterleistung Wernher von Brauns. - Denn, abgesehen von der zerstörerischen Wirkung der V2, war auch diese Rakete ein Wunderwerk. Man muß sich vorstellen, daß von Braun die V2 fast ohne jede Pläne und Vorlagen gebaut hat! Er konnte sich ja auf nichts stützen, weil es so etwas noch nie gegeben hatte! So gesehen ist also auch die V2 eine großartige Erfindung gewesen. - Zurück aber zur Saturn V, der Mondrakete. 113 Meter hoch war sie, hunderte Tonnen schwer. Dabei war der Platz für die Astronauten denkbar winzig: Hier oben, dieser kleine Kegel, das war die eigentliche Apollo-Kapsel, in der die Astronauten eng nebeneinander lagen (Wir werden das gleich sehen!). Darunter kam dann ein kurzer Versorgungsteil, anschließend die Mondlandefähre, und von da an abwärts Treibstoff, Treibstoff, Treibstoff und nochmals Treibstoff - nicht umsonst werden Raketen oft als fliegende Bomben bezeichnet! Im nächsten Bild, da machen wir nun einen Blick ins Innere der Apollo-Kapsel:
Man sieht sofort, wie eng es dort war. Komfort gleich null. Die Astronauten liegen dicht nebeneinander in ihren klobigen Raumanzügen, überall neben ihnen Kabel, Schläuche und Schaltpulte. Vielleicht darf ich hier kurz ein paar Worte zum Beruf des Astronauten anbringen: Er gehört wohl zu den schwersten Berufen, die es überhaupt gibt. Natürlich machen Astronauten ihre Arbeit freiwillig, niemand zwingt sie dazu, aber es ist kein Zufall, daß nur die Allerbesten dafür ausgewählt werden. Ein Astronaut muß nämlich sehr viele Anforderungen gleichzeitig erfüllen. Punkt ein: Er muß topfit sein - da darf es absolut nichts geben! Wer gesundheitlich nicht wirklich in Ordnung ist, wird nie in den Weltraum fliegen... Punkt zwei: Ein Astronaut muß ein Raumschiff steuern können (zumindest zwei Leute je Mission), was voraussetzt, daß er ausgebildeter Pilot ist. Punkt drei: Er muß die Nautik beherrschen, Punkt vier: Er muß sich mit Astronomie auskennen. Weiters muß er wissenschaftliche Aufgaben perfekt erfüllen, er sollte technisch begabt sein und mathematisch. Das allerwichtigste aber: Ein Astronaut muß IMMER einen klaren Kopf behalten - in jeder Situation. Ein Astronaut, der die Nerven verliert, ist so denkbar das Schlimmste, das während einer Mission passieren kann. Stellt euch vor, wenn ihr dieses Bild betrachtet, da kommt einer der Astronauten nach zwei Tagen auf der Reise zum Mond auf die Idee: "Ich will raus! Ich halt's da drinnen nicht mehr aus!" Tja, das führt dann in einer Entfernung von über 200.000 Kilometern von der Erde zu gewissen Problemen... Aus allen diesen Gründen sind Astronauten wirklich bewundernswerte Menschen! - Nächstes Bild bitte. -


Ja, Erfüllung eines alten Menschheitstraumes. Menschen am Mond. Am 21. Juli 1969 betreten Neil Armstrong und Edwin Aldrin als erste Lebewesen ein "fremdes" Gestirn. Diese Ereignis war gleichermaßen Höhepunkt der amerikanischen Raumfahrtbestrebungen als auch ein echtes Stück Geschichte.
Übrigens ist die Behauptung, daß Neil Armstrong der erste Mensch am Mond war, gar nicht so unumstritten, wie ihr vielleicht annehmen würdet... Es kursiert nämlich immer wieder ein hartnäckiges Gerücht, daß Armstrong in Wirklichkeit zweiter war, sein Kollege Aldrin dagegen der erste. Klingt vielleicht etwas geheimnisvoll - ich persönlich kann mir das auch nicht vorstellen -, aber die Beteiligten selbst schweigen dazu. Wer weiß...


Armstrong und Aldrin erkunden nach ihrem Ausstieg erst einmal die Mondoberfläche, sammeln ein paar Gesteinsproben und stellen einige wissenschaftliche Geräte auf. Diese sogenannten EVA's dauern nicht allzu lange. Apropos, mit EVA braucht sich jetzt niemand von euch angesprochen fühlen - die drei Buchstaben stehen für Extra Vehicular Activity, was soviel wie "Außenbordaktivität" bedeutet. Der kleine weiße Fleck am oberen Bildrand ist übrigens nichts anderes als unsere gute, alte Erde in einer Entfernung von fast 400.000 Kilometern!

Während den Apollo-Missionen wurde Wernher von Braun einmal gefragt, warum das alles notwendig sei. Er hat daraufhin dem Reporter ein Gleichnis erzählt, das zwar die Raumfahrt nicht mit wissenschaftlichen Argumenten rechtfertigt, das aber den ethischen Hintergrund eindrucksvoll erklärt. Wenn ich euch jetzt dieses Gleichnis weitergebe, dürft ihr das natürlich auch nicht als ein schlagkräftiges Argument auffassen! Aber vielleicht wird damit der grundlegende Gedanke klar, mit dem Menschen an solche Aufgaben herangehen... Und zwar hat von Braun gesagt:"In der Steinzeit sind die Menschen vor ihre Höhlen getreten, sie haben zu den Bergen am Horizont geschaut und sich gefragt: 'Was ist dort? Was ist hinter den Bergen?' Dann haben sie sich aufgemacht und sind zu den Bergen gewandert, und sie haben gesehen, was dort ist. Und heute, da treten wir in die Gärten vor unsere Häuser, schauen zu den Sternen und fragen uns:'Was ist dort oben?' Und auch wir werden uns auf den Weg machen, auf den Weg ins All.' - Zugegeben, der Weg zu den Sternen ist etwas schwieriger und weiter als der zu den Bergen am Horizont!


Ein letzter Sprung, nun ins Jahr 1991. Zum ersten Mal hat auch Österreich seinen Mann im All: Franz Viehböck - das ist der schöne Mensch hier unten...


Weitere Informationen zu unserem Projekt:
das Projekt
die Astro-Vorträge
die Fragebögen
Ausschnitte aus dem Vortrag

This project happened in Spring 1995.